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Segeberg Strom-Trasse verärgert Landwirte
Lokales Segeberg Strom-Trasse verärgert Landwirte
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20:00 01.12.2015
Von Gerrit Sponholz
Mit Protestplakaten an der B432 wehren sich Landwirte gegen den Flächenverbrauch durch die Stromtrasse. Quelle: Gerrit Sponholz

Die Masten würden die Arbeit behindern. Einige Landwirte drohten mit Klage gegen die Ostküstenleitung. Klar wurde auch: Eine Trasse an der A20 scheidet aus, und Rundmasten statt der Gittermasten sind technisch nicht möglich.

 Der Kreisbauernverband Segeberg hatte Vertreter des Netzbetreibers Tennet und den Landschaftsarchitekten Uwe Herrmann eingeladen, um die Planung vorzustellen. Die Landwirte haderten in der Diskussion mit der Trasse entlang der schon bestehenden 220-kV-Leitung von Henstedt-Ulzburg über Kisdorfer Wohld und Groß Niendorf nach Lübeck. Warum nicht an die - noch nicht gebaute - Autobahn A20 bei Schmalfeld und Bad Segeberg? Der Eingriff in die Natur wäre dort viel größer, entgegnete Herrmann auf die Idee. Denn Autobahn und Stromtrasse wären dort neu. An der 220-kV-Trasse dagegen würde nur eine Freileitung durch eine größere ersetzt.

 Mit einem Unterschied: Die neuen 130 Masten würden meist auf Äckern stehen, nur sehr wenige über Knicks. Bei der 40 Jahre alten 220-kV-Leitung dagegen steht ein Drittel der Masten auf den Gehölzwällen. Beim Bau damals sei Naturschutz nicht so streng gewesen, erklärte Tennet-Projektplaner Till Klages. Zwar dürften Masten auch heute über Knicks gesetzt werden. Aber nur, wenn die vier Gründungspfähle den Knick nicht berühren. Das sei so punktgenau oft nicht möglich, zeigt sich beim derzeitigen Bau der Mitteltrasse an der A7 von Audorf nach Hamburg. Tennet spricht deshalb mit dem Umweltministerium, um mehr Ausnahmegenehmigungen zu erhalten.

 Bei Erdkabeln dagegen, so Uwe Herrmann, würden die Stromplaner vom Knickschutz befreit. Doch von Erdkabeln, wie sie vielleicht bei Kisdorferwohld oder Henstedt-Ulzburg möglich werden, halten die Landwirte wegen des großen Flächenverbrauchs nichts. Das hatte Kreisbauernvorsitzender Jens-Walter Bohnenkamp gleich zu Beginn des Treffens festgestellt. Und ob Erdkabel überhaupt möglich werden, entscheidet der Bund erst Anfang 2016.

 Mehrere Landwirte waren verärgert. Dem Land sei ein Knick wichtiger als Ackerbau. Ökologisch mache es keinen Sinn, während der 80 Jahre Lebensdauer einer Freileitung mit dem Trecker große Umwege um den Mast herum fahren zu müssen. Die Entschädigung von 8000 Euro je Maststandort hielten die Landwirte für gering. Außerdem hätten viele ihr Ackerland nur gepachtet. Entschädigungen stecke der Verpächter ein.

 Tennet-Planer Klages machte klar: Wenn Landwirte sich weigern, Äcker für Maststandorte frei zu geben, drohe die Enteignung. Seine Firma sei nur ausführendes Organ. Die Regeln gäben Land und Bundesnetzagentur vor. Widersprüche seien im Planfeststellungsverfahren möglich, das 2016 beginne.

 Die Idee von Claus Fahrenkrog, Bürgermeister von Groß Niendorf, auf schlanke Kompaktmasten zu setzen, wies Klages zurück: Zu teuer, nicht standhaft genug, mehr Masten nötig, und weil Kompaktmasten bei Reparaturen nicht bestiegen werden könnten, seien Hubwagen nötig, die Zufahrt und Stellfläche bräuchten.

 Bauern drohten, vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen Masten auf ihren Äckern zu klagen. Solche Verfahren würden das Land in Not bringen, das den Netzausbau vorantreibt. Viele Windkraftanlagen aus Ostholstein könnten ihren Strom dann nicht nach Süddeutschland transportieren.

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