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Segeberg Ausgelaufene Gülle bedroht Gewässer
Lokales Segeberg Ausgelaufene Gülle bedroht Gewässer
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16:32 15.01.2018
Von Einar Behn
Wegen des Gestanks muss die Feuerwehr Atemschutzgeräte tragen. Quelle: Danfoto
Großenaspe-Brokenlande

Sönke Möller, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes, sagte: „1000 bis 1500 Kubikmeter  Gülle konnten pro Stunde aus dem Leck strömen. Es war ein Riesenschwall, der nur äußerst schwer zu stoppen war.“ Der Gärbehälter hat ein Fassungsvermögen von 5 Millionen Litern. Das defekte Rohr, das den sogenannten Fermeter mit einem Nachgärbehälter verbindet, sitzt aber nicht am Fuß des Behälters sondern weiter oben, sodass nicht die gesamte Gülle herauslaufen konnte. Wie viel wirklich austrat, ist nicht bekannt. Laut Polizei waren es deutlich über 1000 Kubikmeter. Die Feuerwehr hatte zuvor von mehreren 1000 Kubikmetern gesprochen.

Einsatzkräften, darunter auch der ABC-Zug des Kreisfeuerwehrverbandes, und Mitarbeitern der Biogasanlage mussten den Gärbehälter öffnen und von innen eine Folie vor das Leck platzieren. Nach gut vier Stunden war der Schwall gestoppt. Andere Helfer hatten mit Baggern Erdwälle um das Gelände aufgehäuft, damit die Gülle nicht entweichen kann. „Die Gülle stand so hoch, dass man darin baden könnte“, schilderte Feuerwehrsprecher Möller die Situation.

Aus diesem Güllesee pumpten Landwirte und Mitarbeiter landwirtschaftlicher Lohnunternehmen die Gülle ab und verteilten sie auf umliegende Äcker, was zu dieser Jahreszeit zum Schutz des Grundwassers eigentlich verboten ist. Wegen der Notlage hatte der Kreis Segeberg aber spontan eine Sondererlaubnis erteilt.

Die Feuerwehr war gegen 10 Uhr von einem Mitarbeiter der Anlage alarmiert worden. Kurz nach 14 Uhr wurde der Gülleaustritt gestoppt. Mindestens vier Stunden flossen die Tierexkremente also auf das Gelände. Pressesprecher Müller sagte: „Wir sind froh, dass wir die Gülle auf dem Firmengelände auffangen konnten, sonst hätten wir jetzt deutlich größere Umweltschäden.“

Es ist nicht das erste Mal, dass aus der Biogasanlage in Großenaspe Gülle in großen Mengen ausgetreten ist. Im Februar 2014 waren über zwei Millionen Liter wegen eines defekten Ventils ausgelaufen. Auch damals konnte die Gülle auf dem Gelände aufgefangen worden. Zunächst hieß es, dass eine Umweltkatastrophe Dank des Einsatzes von rund 150 Feuerwehrleuten verhindert werden konnte. Es herrschte minus 14 Grad, sodass der Boden gefroren war und nichts einsickern konnte. Monate später bildete sich aber Schaum auf Bachläufen im benachbarten Hardebek. Der örtliche Anglerverein veranlasste Untersuchungen. Ergebnis: Die Gewässer waren biologisch tot.

Die unmittelbar an der Autobahnanschlussstelle Großenaspe gelegene Anlage wird von dem Unternehmen ARA Biogas Brokenlande betrieben. Hier werden seit 2007 Gülle, Mais und anderes Biomaterial zu Biogas vergoren. Das Gas wird an dem Standort in Kraftwärmekopplsanlagen verstromt und auch in ein Biogasnetz eingespeist, das dezentrale Blockheizkraftwerke in Großenaspe versorgt. Auch eine große Treibhausanlage wird mit dem Biogas beheizt.

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