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Segeberg Seeadler vs. Windräder
Lokales Segeberg Seeadler vs. Windräder
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07:30 28.11.2014
Von Detlef Dreessen
Der Nachwuchs der Milane ist durch Windräder gefährdet. Zu erkennen ist der Rotmilan an seinem gegabelten Schwanz, erklärt Thomas Manke anhand dieses Präparates im Erlebniswald.
Schmalensee

Darüber denkt die Firma Denker & Wulf AG nach, die im Osten der Gemeinde einen Windpark plant. Anlass dazu bietet das Gutachten zur Tier- und Pflanzenwelt, das der Kieler Gutachter Stefan Greuner-Pönicke vorgelegt hat.

 

 Über Konsequenzen aus dem mit Spannung erwarteten Gutachten brüten auch die Kommunalpolitiker. Der geplante Windpark spaltet die Bevölkerung. Bei einem Bürgerentscheid Ende August hatten 55 Prozent der Einwohner für Windräder gestimmt, die niedriger sind als vom Investor gewollt. 45 Prozent sprachen sich für bis zu 150 Meter hohe Anlagen aus, wie die Mehrheitsfraktion in der Gemeindevertretung sie im Einklang mit dem Investor planen wollte.

 Vor allem Seeadler, Rotmilan und Fledermaus machen den Planern einen Strich durch die Rechnung, sagte Bürgermeister Sönke Siebke der SZ. Mehrere Fledermausarten nisten im Wald zwischen Schmalensee und Stocksee. Den geschützten Tieren drohe bei ihren Flügen zu den umstehenden Knicks Gefahr durch sich drehende Rotoren. Gefährdet sei der Nachwuchs von Seeadler und Rotmilan. Einen Monat nach dem Schlüpfen, also solange die Eltern die Jungen versorgen und umhegen (Bettelflugphase), dürfen sich keine Windräder in der Nähe der Nester drehen, rät der Biologe. Wenn ein Investor darauf besteht, im Fluggebiet Windanlagen aufzustellen, müssten sie in der betreffenden Zeit abgeschaltet werden. Außerdem dürfe sich vier Tage nach der Ernte auf den nahegelegenen Feldern kein Rotor im Umkreis mehrerer Hundert Meter drehen, weil die Vögel Nahrung suchen.

 Unterm Strich sage das Gutachten aus, dass die jährliche Laufzeit der Anlagen begrenzt werden müsste, erklärte Bürgermeister Siebke. Konsequenz sei „eine deutliche Einschränkung der Wirtschaftlichkeit“. So sieht es auch Torsten Levsen, Vorstandsvorsitzender der Denker&Wulf-AG. Zwei Monate Pause in der Sommerzeit würden die Energieausbeute des Windparks und somit den Gewinn aus dem Energieverkauf drastisch reduzieren. Damit drohe die Rendite des Projektes in einen Bereich zu sinken, der kaum noch profitabel ist. Die Option, sich auf 100 Meter hohe Anlagen zu beschränken, sei damit eindeutig vom Tisch. Eher müsse man höher als 150 Meter bauen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

 Das wäre genau das, was die Gegner zu verhindern suchen. Windparkskeptiker Jürgen Bucksch (Bürger für Schmalensee) wollte das Gutachten nicht kommentieren.

 Den Einwohnern Schmalensees soll das Gutachten am Donnerstag, 4. Dezember, ab 19.30 Uhr im Gemeindesaal vorgestellt werden. Eine Woche später will die Gemeindevertretung ein Wirtschaftlichkeitsgutachten in Auftrag geben. Es soll im Januar Grundlage für Entscheidungen über das weitere Vorgehen werden, sagte Siebke.

 Am Donnerstag, 11. Dezember, tagt die Gemeindevertretung im benachbarten Damsdorf. Dort heißt ein Tagesordnungspunkt: „Information der Firma Denker & Wulf zur Errichtung von Windkraftanlagen von mehr als 150 Meter Höhe“.

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