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Segeberg Imponierender Maschinenpark
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00:17 20.06.2013
Margrit Kohlstedt aus Bad Segeberg beherrscht gekonnt die schöne Kunst des Klöppelns, die sie beim Tag der offenen Tür in der Wollspinnerei Blunck vorführte. Quelle: Stephan Worlitz
Bad Segeberg

Hans-Friedrich Blunk (75) führte höchstpersönlich durch sein Reich, die letzte aktive Spinnerei Norddeutschlands, die sein Urgroßvater 1852 mitten in Bad Segeberg gegründet hatte.

 Bevor Blunk, der in seinem Familienbetrieb selbst über 50 Jahre Schafswolle zu Garn gesponnen hatte, die Besucher in die auf zwei Geschosse verteilten Produktionsstätten leitete, wies er auf den irreführenden Namen der Wollspinnerei hin: „Meine Familie heißt ganz einfach Blunk. Das ,ck’ in der Firmenbezeichnung ist damals durch einen Schreibfehler in Registeramt entstanden.“

 Imponierend für die Besucher war der große Maschinenpark. Sie erfuhren, wie einst die gewaschene und getrocknete Rohwolle, die überwiegend Schafhalter aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lieferten, vom sogenannten „Krempelwolf“ erst zu Flocken zerteilt, dann von den Walzen in der „Krempelmaschine“ zu feinem Flor verarbeitet und schließlich zu Fäden gerieben wurde. Danach wurde dieser Wollflor dann zu Garn gesponnen, gezwirnt und eingefärbt oder gebleicht.

 Dass alle Maschinen – einige von ihnen sind über 80 Jahre alt – noch immer intakt sind, ist der guten Pflege von Hans Friedrich Blunk zu verdanken. Sein Verdienst ist es somit auch, dass nicht nur diese, sondern auch sämtliche Gebäude der Spinnerei seit 2003 unter Denkmalschutz stehen und somit der Nachwelt auch künftig erhalten bleiben.

 Doch nicht nur mit Maschinen, auch mit der Hand konnte man am Tag der offenen Tür Rohwolle in Garn verwandeln: Kirsten Düring aus Klein Rönnau ließ es sich nicht nehmen, das Spinnrad auszuprobieren. „Spinnen sieht einfacher aus, als es ist“, gab die Sonderschullehrerin zu. Mehr als einmal rissen ihr die Fäden. An anderer Stelle konnte man geschickten Damen beim Klöppeln zuschauen - Handarbeit, die man sonst kaum noch zu sehen bekommt.

 Auch für technisch interessierte Männer gab es an diesem Tag etwas zu bestaunen. Der Förderverein, der sich seit 2008 für den Erhalt der Wollspinnerei einsetzt und diesen historischen Ort in ein „arbeitendes Museum“ verwandeln möchte, hatte im bereits renovierten Vorderhaus an der Kurhausstraße Modellbauern ermöglicht, die Nachbauten von historischen Dampfmaschinen zu präsentieren, was auf viel Interesse stieß. Wer an dem Tag dazu noch Gutes tun wollte, konnte Handarbeiten aus den Werkstätten des Landesvereins für Innere Mission erwerben.

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