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Segeberg Todessturz: Angeklagte gestehen Überfall
Lokales Segeberg Todessturz: Angeklagte gestehen Überfall
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17:17 15.08.2013
Vor Gericht stehen zwei 19 und 31 Jahre alte Männer. Sie sollen am 14. Oktober 2012 in dem Hochhaus eine Party überfallen haben, bei der auch die junge Frau zu Gast war. Quelle: dpa
Bad Segeberg

Dass die 18-Jährige sich in Todesangst auf den Balkon flüchtete, hätten sie aber nicht bemerkt, erklärten beide Männer vor dem Bad Segeberger Amtsgericht. Der Todessturz der Frau aus dem zehnten Stock wurde erst am nächsten Morgen entdeckt, als ein Nachbar die Leiche fand. Sie hatte versucht, sich auf einen tiefer gelegenen Balkon zu retten und war dabei abgestürzt. Zuvor hatte die angehende sozial-pädagogische Assistentin noch bei der Polizei angerufen.

„Ich habe das Mädchen weder gesehen noch gehört“, sagte der 19-jährige Haupttäter. Er gab zu, aus Frust auf mehrere Partygäste eingeschlagen und mit einem Messer gedroht zu haben. Die 18-Jährige habe er aber nicht gesehen. „Ich bereue, was ich gemacht habe. Ich habe mich verletzt gefühlt. Ich war schuld, ich war aggressiv“, erklärte er. Die Anklage wirft ihm und seinem 31 Jahre alten Großonkel fahrlässige Tötung und Körperverletzung vor. Demnach drohte er den Partygästen: „Ich mach.’euch alle. Ich bring.’euch um.“ Vor Gericht sagte er: „Ich wollte sie nur erschrecken, keinen töten.“

Der 19-Jährige hatte gerade 600 Euro in einer Spielhalle verloren, war dort in Streit geraten, angetrunken und frustriert, als er auf der Straße einige der Gäste traf, die wieder in die Wohnung zu dem Abschiedsfest wollten. Er kannte alle, man hatte auch schon gemeinsam gefeiert. Dennoch schlug er sofort zu. Wenig später trat er ihnen oben im Haus fast die Tür ein, schlug erneut los und holte dann seinen Großonkel, dem er vormachte, er sei angegriffen worden.

Der junge Mann ist als gewalttätig polizeibekannt und bereits zu zwei Bewährungsstrafen verurteilt. Nach schwieriger Kindheit flog er wegen seiner Aggressivität und dissozialen Verhaltens von allen Schulen. Er schaffte es aber, eine Lehrstelle zu bekommen. Wegen des Todessturzes saß er neun Monate in Untersuchungshaft. Vor Gericht versicherte er, er wolle sich tiefgreifend ändern: „Ich spiele nie mehr und trinke nie wieder Alkohol.“ Er wolle eine Therapie und eine Ausbildung machen.

Dem Geständnis der beiden Männer — sie standen zur Tatzeit beide noch unter Bewährung — waren stundenlange Beratungen von Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung über einen Deal vorausgegangen. Dabei würde den Angeklagten für ein umfassendes Geständnis ein Strafmaß zugesichert. Eine solche Absprache erfolgte aber nach Angaben der Vorsitzenden Richterin Silke Schneider noch nicht. Das Verfahren soll am 28. August mit Zeugenaussagen fortgesetzt werden.

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