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Segeberg Jobabbau bei Sparkasse Südholstein
Lokales Segeberg Jobabbau bei Sparkasse Südholstein
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06:00 15.08.2013
Von Gerrit Sponholz
Ralph Schmieder (links) und Martin Deertz führen derzeit die Sparkasse. Schmieder will den Vorsitz dem neuen Dritten überlassen.
Kreis Segeberg

Mit Betroffenheit und Dankbarkeit für die klaren Worte hätten 750 Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung am Dienstagabend in den Holstenhallen in Neumünster die Botschaft von Sparkassenchef Ralph Schmieder aufgenommen, sagt Pressesprecherin Imke Gernand. Pfiffe habe es nicht gegeben.

 Nicht äußern wollte sich Personalratsvorsitzende Tanja Bestmann. Die Dinge würden intern besprochen, sagte sie zur SZ. „Wir kümmern uns um unsere Beschäftigten.“

 „Die Mitarbeiter bei der Sparkasse stehen unter Druck“, weiß Thomas Grunewald von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di in Neumünster. „Denn die Jobs bei der Sparkasse sind nicht mehr sicher.“ Die Sparkassen allgemein versuchten beim Jobabbau, Arbeitnehmer unter Druck zu setzen, damit sie einvernehmlichen Trennungen zustimmen.

 Nach Informationen der SZ ist auch Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) eingeschaltet. Am Mittwoch sprachen ver.di-Gewerkschaftsvertreter mit ihm über die Job-Lage an den Sparkassen im Land.

 Bis zu betriebsbedingten Kündigungen will es Schmieder nicht kommen lassen. Das wäre eine Lösung „ganz am Ende und ein ganz schlechtes Szenario“. Ausschließen wollte er es aber nicht.

 90 Prozent der 130 zu streichenden Stellen sollen nach Angaben von Sprecherin Imke Gernand bis 2015 wegfallen, der Rest bis 2018. Eingespart wird in allen Bereichen.

 Die Bilanz 2012 war wegen Sonderbelastungen schlecht ausgefallen. Der Dachverband unterstützt erneut mit 60 Millionen Euro. Bereits seit 2003 hatten Dachverband und Hamburger Sparkasse mit rund 140 Millionen Euro geholfen.

 Der Stellenabbau sei unabhängig von der laufenden Sanierung erforderlich, sagt Schmieder. Ein Grund: das anhaltend ungünstige Zinsniveau. Geldinstitute verdienten weniger. Der Sparkassen- und Giroverband Schleswig-Holstein sieht andere Gründe. Die Sparkasse habe hohe Abschreibungen auf Anteile an der HSH Nordbank zu schultern und müsse wegen neuer Regeln („Basel III“) mehr Eigenkapital haben, sagt Pressesprecher Reinhardt Hassenstein. Der Sparkasse sei bedeutet worden, einen Sanierungsplan aufzustellen. Wie er aussieht, sei deren Sache. „Wir geben Hilfe zur Selbsthilfe.“

 Einsparen hätte die Sparkasse eigentlich schon vor einigen Jahren müssen, sagt Henning Wulf (CDU), Vorsitzender des Segeberger Hauptausschusses im Kreistag und Mitglied des Sparkassen-Verwaltungsrates, der am Montag die neuen Schritte abgesegnet hatte. „Der Dachverband legt die Daumenschrauben an.“ Die Sparkassen, die ihn tragen, haben den Südholsteinern viel Geld gegeben. Die müssten nun einsparen, nicht nur oberflächlich, sondern „auch ins Fleisch schneiden“, so Wulf. Auf 6,5 Millionen Euro schätzt er die erwartete Einsparung im Personaletat.

 Leiten soll die weitere Sanierung ein „Finanzvorstand mit umfassender Sanierungserfahrung“, teilte die Sparkasse mit. Getreu dem Motto der Volksbank-Konkurrenz („Wir machen den Weg frei“) erklärte sich Schmieder bereit, den Vorsitz im Vorstand für den neuen Dritten im Bunde zu räumen. Das soll die Attraktivität des Postens erhöhen. An der Spitze von Banken stehe ohnehin meist der Finanzvorstand, so Schmieder. Er sei, wie sein Vorstandskollege Martin Deertz, ein Vertriebsmann. Mitglied des Vorstandes bleiben will er aber. Auch wenn der neue Chef da ist, werde er sich nicht zurückziehen: „Ich bleibe dabei.“ Er sei auch „nicht in Ungnade gefallen“, betont Schmieder. „Der Verwaltungsrat gab mir vollste Rückendeckung.“ Ob jemand ihn gedrängt hat zum Schritt ins zweite Glied? Nein, sagt er. „Wir haben gemeinsam darüber nachgedacht.“

 Verwaltungsratsvorsitzende Roswitha Strauß aus Alveslohe zollt Schmieder viel Respekt. „Er stellt seine Interessen hinter die der Sparkasse.“ Das künftige Spitzenteam habe harte Zeiten vor sich. „Die nächsten Monate, in denen wir Einsparmaßnahmen umsetzen müssen, werden dem Vorstand entschlossenes Handeln abverlangen.“

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