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Segeberg „Schnee von gestern“ begeistert Publikum
Lokales Segeberg „Schnee von gestern“ begeistert Publikum
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21:50 20.01.2019
Von Michael Stamp
Vom 28. Dezember 1978 bis zum 8. Januar 1979 wurde Schleswig-Holstein von einer ersten Schneewalze getroffen. Quelle: Michael Stamp
Bad Segeberg

130 Zuschauer saßen in Saal 3 des Kinos CinePlanet5. Sie besuchten die restlos ausgebuchte Filmmatinee der Segeberger Zeitung. Die SZ präsentierte den packenden Dokumentarstreifen der Filmemacher Claus Oppermann und Gerald Grote. Beiden ist das Kunststück gelungen, nicht nur die Dramatik des norddeutschen Jahrhundertwinters einzufangen, sondern auch amüsante Szenen einzubauen und von der beeindruckenden Solidarität jener Tage und Wochen zu erzählen. Der Schneewinter hatte viele Gesichter.

Vom 28. Dezember 1978 bis zum 8. Januar 1979 wurde Schleswig-Holstein von einer ersten Schneewalze getroffen. Am 4. Januar 1979 kam Miriam Hoffmann zur Welt. Ihre Eltern hatten sich im VW-Käfer durch den Schneesturm von Neumünster zur Uniklinik Kiel gekämpft. Bloß nicht bremsen, bloß nicht von der Spur abkommen –und bloß nicht liegenbleiben. Tochter Miriam ist heute Direktorin des Kreismuseums in Itzehoe, hat eine viel beachtete Ausstellung zum Schneewinter aufgebaut und besuchte die gestrige Filmvorführung als Ehrengast. Und sie berichtete von der Arbeit der beiden Filmemacher.

Rückkehr der Schneekatastrophe vom 8. bis 20. Februar 1979

30 Stunden Rohmaterial haben Oppermann und Grote aus privaten Filmarchiven gesichtet, Interviews mit Zeitzeugen geführt und alles zu einem 55 Minuten langen Gesamtwerk zusammengefügt. Darin enthalten ist auch die überraschende Rückkehr der Schneekatastrophe vom 8. bis 20. Februar 1979. Der Kreis Segeberg, in dem zeitweise ein Fahrverbot herrschte, kam im Vergleich mit den Regionen weiter im Norden Schleswig-Holsteins noch vergleichsweise glimpflich davon.

Die Zuschauer hatten einiges zu erzählen. Horst-Jürgen Jensen (65) aus Garbek war damals Hauptgefreiter bei der Instandsetzungskompanie des Panzergrenadierbataillons 182 in der Bad Segeberger Lettow-Vorbeck-Kaserne. Er fuhr mit seinen Kameraden in drei Bergepanzern nach Schleswig und Süderbrarup. Für die rund 100 Kilometer brauchten sie 15 bis 16 Stunden. Über eine Woche lang half er dabei, von der Außenwelt weitgehend abgeschnittene Ortschaften zu erreichen und die Zuwegungen freizulegen. Bei einem der Panzer musste mitten im Einsatz der Motor ausgetauscht werden.

Betanken der Maschinen bei laufendem Rotor

Klaus Rakowski (62), der heute in Oering wohnt, war damals noch in Tangstedt zu Hause. Er diente als Obermaat in der Wartungsstaffel des Marinefliegergeschwaders 5 in Kiel-Holtenau.

Als Flugzeugmechaniker war es sein Job, die 21 SAR-Hubschrauber (Search And Rescue) einsatzbereit zu halten. In der Not habe man mitten im Schneesturm zum „Hot Refueling“ gegriffen, dem Betanken der Maschinen bei laufendem Rotor. „Das war sonst ein No-Go.“ Damals ging es aber um jede Minute, um die Hubschrauber sofort wieder starten lassen zu können.

Martin Preuß (59), der jetzt in Tensfeld wohnt, war damals ein Wahlstedter. Er sollte am 2. Januar 1979 seinen Wehrdienst beginnen, aber der Dienstantritt verschob sich wegen des Schnees. Als der Winter jedoch mit Macht zurückkam, war er schon beim Bund – und schaufelte in Itzehoe und Umgebung mit dem Klappspaten allerlei Häuser und Garagen frei. Von den Bewohnern gab es warme Worte, heiße Getränke und so manches geistige Getränk, das mitunter in die Kaserne geschmuggelt wurde. Einige Helfer kamen dort aber auch schon recht angeschickert an. „Die haben wir dann von beiden Seiten gepackt und in die Mitte genommen“, sagt Preuß lachend. Mit Bussen wurden die Rekruten in den folgenden Tagen in Richtung Nordsee gebracht, um Dächer von der Schneelast zu befreien.

Dr. Henning Achilles (58) aus Bad Segeberg besuchte damals das Gymnasium. „Ich habe mich mit dem Mofa zur Dahlmannschule gequält – und war einer von etwa zehn Schülern.“ Man habe mit Direktor Klaus Stolzenberg aber eine nette Zeit verbracht und sei dann wieder nach Hause gefahren.

Lesen Sie auch die große Reportage der Segeberger Zeitung über die Schneekatastrophe 1978.

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