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Segeberg Krippenplätze: Anspruch zu 36 % erfüllt
Lokales Segeberg Krippenplätze: Anspruch zu 36 % erfüllt
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06:05 31.07.2013
Von Petra Stöver
Familiär geht es zu in der Krippengruppe der Trappenkamper AWO-Kita Pusteblume. Die beiden Erzieherinnen Silke Kummernuß (links) und Anke Bruder haben sich mit Max, Chiara, Mia und Lias in eine Kuschelecke zurückgezogen, um den Seifenblasen zuzuschauen und mit ihnen zu spielen.
Kreis Segeberg

Noch ist in vielen Kitas Sommerpause. Die „Pusteblume“ in Trappenkamp hat zwar geöffnet, aber nur wenig Betrieb. Deshalb genießen Max, Chiara, Lias und Mia zurzeit eine Luxusbetreuung: zwei Erzieherinnen für vier Kinder. In ihrer eigentlich zehnköpfigen Krippengruppe ist ein Personalschlüssel von 2,4 üblich, errechnet aus einer Vollzeit- und drei Teilzeitkräften.

 Mit 14 Monaten ist Max der Jüngste. Er robbt durch den Raum, zieht hier ein Puzzle aus dem Regal, nimmt sich dort ein Bauklötzchen und beobachtet zwischendurch mit großen Augen, was um ihn herum passiert. Da singen Chiara und Mia mit Silke Kummernuß ein Lied, Anke Bruder hilft Lias beim Geduldspiel. Max kann noch nicht laufen, das wird er in den nächsten Monaten in der Krippe lernen, ebenso wie sprechen und aufs Töpfchen gehen. Rund 2500 Kinder aus dem Kreis Segeberg werden in den nächsten Wochen ähnliche Erfahrungen sammeln, so viele werden wohl in eine Krippe oder zu einer Tagesmutter kommen.

 2007, als die Bundesregierung den Rechtsanspruch auf Krippenbetreuung festlegte, gab es im Kreis Segeberg für gerade mal 8 Prozent der unter Dreijährigen einen Platz. Da war die Krippengruppe in der „Pusteblume“ schon seit einem Jahr voll belegt, danach schwankte die Nachfrage stark. Seit 2007 wurden in Segeberger Städten und Dörfern mehr als 20 Millionen Euro investiert, davon kamen 14,5 Millionen von Bund und Land und über 6 Millionen von den Kommunen. Damit wurden Krippen neu gebaut, Tagesmütter gefördert und Baukosten für den Umbau von Kitas übernommen.

 Während anfangs angenommen wurde, dass 35 Prozent der Kinder einen Platz beanspruchen werden, geht man heute von 50 Prozent aus. Zum Stichtag errechnet das Kreisjugendamt eine kreisweite Betreuungsquote von 36 Prozent. „Wir werden schon in 2014 eine Platzdeckung von 42 Prozent erreichen und voraussichtlich schon ein Jahr später eine komplette Deckung“, veranschlagt Jugendamtsleiter Manfred Stankat. Er spricht von einer „Erfolgsgeschichte“.

 Die Plätze sind unterschiedlich verteilt. Spitzenreiter Bad Segeberg wird zum Jahreswechsel voraussichtlich auf 61 Prozent kommen, während Umlanddörfer als Schlusslichter weit hinterher hinken. Für das Amt Leezen werden 28 Prozent, für Trave-Land 30 Prozent in Aussicht gestellt. Allerdings werden Eltern, die in Bad Segeberg arbeiten, ihr Kinder auch dort in die Krippe bringen.

 In Henstedt-Ulzburg werde die Nachfrage höher als das Angebot sein, und das liege nicht an zu geringem Engagement der Gemeinde, sondern an deren Struktur, meint Stankat. Wer dort ein Haus baut, braucht zwei Gehälter, um klarzukommen - und damit einen Krippenplatz fürs Kind. Er spricht aber nur von „einer Handvoll“ unversorgter Familien und rechnet nicht mit „dramatischen Engpässen“.

 In der Trappenkamper Krippe stehen allerdings bereits jetzt zehn Kinder auf einer Warteliste. Im zuständigen Amt Bornhöved wird zum Jahreswechsel eine Quote von 31 Prozent erreicht sein. „Bei den einen ist es dringend, die anderen planen eher langfristig“, sagt Kita-Leiterin Cordula Schultz zum Nachfrageverhalten der Eltern. „Wir werden für mehr als 50 Prozent Plätze brauchen“, ist sich die Fachfrau sicher, die auch für die SPD im Kreistag sitzt. Denn Trappenkamp wächst wieder, und vielen Müttern und Vätern sei erst jetzt klar geworden, dass sie überhaupt einen Anspruch haben. In Nachbar-Kitas würden Krippenplätze geschaffen, doch auch die Pusteblume könnte vielleicht eine weitere Gruppe brauchen. „Im Dezember wissen wir mehr“, schätzt die Kita-Leiterin.

 Der Rechtsanspruch, der angenommene Bedarf und die Statistik sagen nichts über die Qualität der Betreuung aus. Cordula Schultz sorgt sich wegen eines absehbaren Fachkräftemangels. Dabei bräuchten nicht nur die Kleinen, „sondern auch die Eltern ganz viel Unterstützung“. Denn die vertrauen der Krippe ja das Wertvollste an, was sie haben.

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