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Segeberg Kunsthalle Flath vor dem Abriss?
Kunsthalle Flath vor dem Abriss?
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05:55 08.11.2013
Von Michael Stamp
Otto Flath hat viele markante Werke geschaffen - zum Beispiel „Die Musik“.

Der Sitzungsraum der Kassenärztlichen Vereinigung an der Bismarckallee genügt modernen Anforderungen nicht mehr. Aus diesem Grund denkt die Institution über eine grundlegende Sanierung nach. Die Stadtverwaltung hat ihr zwischenzeitlich das benachbarte Flath-Areal zum Verkauf angeboten, das sie 1987 von dem Künstler geerbt hat.

 „Das Gelände steht seit längerem auf der Liste der entbehrlichen Grundstücke“, sagt Bürgermeister Dieter Schönfeld. „Über die Jahre hat die Stadt über 1 Million Euro aus Steuergeldern dafür ausgegeben, dass die Erinnerung an Otto Flath wachgehalten wird.“ Aber in finanziell knappen Zeiten müsse einfach mal Schluss sein.

 Die Villa, in der der Bad Segeberger Holzbildhauer Otto Flath einst lebte, ist zurzeit an den Verein für Jugend- und Kulturarbeit vermietet. Die Halle wird als Ausstellungsraum für Flaths große Holzskulpturen genutzt. Eine Wohnung im 1. Stock der Kunsthalle ist mittlerweile verwaist. Der einzige Mieter ist ausgezogen. Ihm war es in dem energetisch nicht sanierten Gebäude im Winter zu kalt.

 Während Kunst und Kultur Mitte der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre unter dem damaligen Bürgermeister Jörg Nehter stark gefördert wurden, hat die Kunsthalle Flath in den vergangenen Jahren einen stetigen Bedeutungsverlust hinnehmen müssen. Im Jahr 2011 wurde die hauptamtliche Bewirtschaftung durch die Stadt Bad Segeberg eingestellt. Seitdem kümmern sich neun Ehrenamtler darum, dass die Ausstellung freitags bis sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr geöffnet ist. Von November bis März ist komplett geschlossen.

 Die Besucherzahlen halten sich allerdings in Grenzen, wie die Flath-Freunde einräumen. „Es kommen leider zu wenige“, bedauert Dieter Schmidt, Vorsitzender des Stiftungsbeirats. In der Sommersaison von April bis Oktober werden insgesamt nur rund fünfhundert Besucher gezählt.

 Aus Bad Segeberg ist kaum jemand dabei – höchstens einige Patienten der örtlichen Kliniken, die geführte Ausflüge an die Bismarckallee unternehmen. Ansonsten kommen Auswärtige. „Es gibt zum Beispiel ein Busunternehmen in Hannover, das hat Flath im Programm“, erklärt Schmidt. Auch Konfirmandengruppen oder Ausflügler von Kirchengemeinden erscheinen, um das christlich geprägte Werk des Bildhauers zu besichtigen.

 Gegen einen Neubau haben die Ehrenamtler nichts. „Wenn neu gebaut wird, ist das in Ordnung“, sagt Dieter Blau. „Aber das Gedenken an Otto Flath muss aufrecht erhalten werden, und die Ausstellung muss der Öffentlichkeit zugänglich sein.“ Die Flath-Freunde stellen sich vor, dass die KV die Arbeiten des Künstlers in ihren Neubau integriert. Schmidt: „Wir hängen an Flath – das ist unser Leben.“

 Sollte die Kunsthalle ersatzlos verschwinden, wäre das nach Einschätzung der Ehrenamtler ein herber Schlag. „Otto Flath ist eine künstlerische Größe, die es sonst in Schleswig-Holstein nicht gibt“, erklärt Siegfried Tromnau. „Wenn man dieses Grundstück verkauft, wird das gesamte Werk zerrissen.“ Es ärgere ihn, dass einzelne Skulpturen bereits von der Stadt verschenkt worden seien – zum Beispiel an einen Pastor, der ein Werk prompt nach Polen weiterreichte. Tromnau: „Das war eine unserer schönsten Figuren.“ Eine weitere steht im Rathaus im Büro von Bürgervorsteherin Ingrid Altner, die früher Testamentsvollstreckerin von Otto Flath war.

 Die Villa im vorderen Bereich des Grundstücks ist baulich deutlich besser in Schuss als die Halle. Vor gut zwei Jahren wurde sie für 100000 Euro aus Sonderkonjunkturmitteln des Bundes grundlegend saniert.

 „Man darf nicht vergessen, dass das Gebäude früher ein jüdisches Kinderheim war“, sagt Schmidt. Damit sei es eines der wenigen Zeugnisse, die es in Bad Segeberg von jüdischer Kultur noch gibt. Die alte Synagoge an der Kirchstraße ist nicht erhalten.

 Ratlos sind die Flath-Freunde, was aus den gewaltigen Holzskulpturen werden soll, wenn die Halle entfernt wird. „Da müssen Sie Herrn Schönfeldt fragen“, sagt Dieter Blau. Dass ein Stadtvertreter auf diese Frage etwas lax mit der Gegenfrage antwortete, wofür es Kettensägen gibt, fanden die Flath-Fans nicht sonderlich komisch.

 Auf Bürgermeister Schönfeld ist Trommler nicht gut zu sprechen. „Er entscheidet das nach Gutsherrenart – absolut selbstherrlich.“ Der Gescholtene weist darauf hin, dass die Kassenärztliche Vereinigung ein wichtiger Arbeitgeber ist und eine große Bedeutung hat. Bevor das Unternehmen sich für einen Neubau in Kiel entscheidet, müsse man vor Ort die Möglichkeiten schaffen, die Expansion zuzulassen. Das letzte Wort sei aber noch gar nicht gesprochen, sagt Schönfeld. Stiftungsbeiratsvorsitzender Schmidt ist nicht sonderlich optimistisch. „Ob Otto Flath Ehrenbürger von Bad Segeberg ist, interessiert nicht – hier geht es nur ums Geld.“

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