Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Einstellen, wen man kriegen kann
Lokales Segeberg Einstellen, wen man kriegen kann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:48 07.10.2018
Von Sylvana Lublow
 Arndt Scharf leitet die Grundschule am Lakweg in Kaltenkirchen. Über den Lehrermangel sagt er: „Bis zum Ende der Sommerferien habe ich 150 Leute angeschrieben, alles keine Lehrer. Daraufhin habe ich eine Bewerbung erhalten.“ Quelle: Sylvana Lublow
Kaltenkirchen

Im Gegenteil. Laut Landesministerium für Bildung gibt es im Kreis Segeberg 536 Lehrende an den Grundschulen. 448 davon sind ausgebildete Grundschullehrkräfte, 33 sind sogenannte LiVs (Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst), 2 sind Seiteneinsteiger-LiVs, 6 sind Lehrkräfte anderer Lehrämter, 6 im Studium und 41 haben keine Lehrkräfteausbildung, sondern einen anderen Hochschulabschluss. In der Grundschule am Lakweg werden derzeit 306 Schüler von 25 Lehrern unterrichtet. Sieben davon sind keine ausgebildeten Grundschullehrer, eine Lehrkraft wurde aus dem Ruhestand zurückgeholt. Unter den acht Nicht-Lehrern gibt es zwei Soziologen, eine Meeresbiologin, eine Künstlerin, eine Musikpädagogin, einen Literaturwissenschaftler und eine junge Frau, die nur ihr erstes Examen als Gymnasiallehrerin in der Tasche hat. Alle zusammen unterrichten rund 100 Stunden in der Woche. 

Grundschullehrer in Hamburg verdienen 400 Euro Netto mehr

Schulleiter Arndt Scharf ist von der Situation an seiner Grundschule nicht begeistert. Obwohl er das Beste aus der Not gemacht hat, wie er sagt. Angefangen hatte es 2010. „Da bekamen wir plötzlich befristete Stellen nicht mehr besetzt“, erzählt der 56-Jährige. Und seit drei Jahren kann die Schule keine Lehrer mehr für länger befristete Stellen – ein Jahr und mehr – finden. Das Problem verschärfte sich im Sommer: „Wir haben zwei unbefristete Planstellen nicht besetzen können“, sagt Scharf.

Über eine Bewerberplattform hatte Scharf schon im April die zwei Stellen ausgeschrieben. Zu diesem Zeitpunkt habe es auf der Plattform schon keine Grund- und Hauptschullehrer mehr gegeben, die eine Stelle suchten, nur noch Nicht-Lehrer, die befristete Stellen wollten. „Bis zum Ende der Sommerferien habe ich 150 Leute angeschrieben, alles keine Lehrer. Daraufhin habe ich eine Bewerbung erhalten“, erzählt Scharf, der darüber immer noch erstaunt ist: „Ich habe zum Schluss einfach jeden genommen, der sich beworben hat.“

Seiteneinsteiger auszubilden, ist ein gutes Modell

Gründe für den Lehrermangel gibt es viele. „Der Hauptgrund ist, dass einfach zu wenig Lehrer ausgebildet wurden, es gab zu wenig Werbung, Referendariatsplätze wurden eingeschränkt“, so Scharf. „Den zuständigen Ministerien in Bund und Land hätte klar sein müssen, dass viele Pensionierungen auf uns zukommen.“ Zusätzlich habe der Kreis Segeberg ein ganz spezifisches Problem: Er liegt zu nah an Hamburg. „In Hamburg bekommen Grundschullehrer A 13-Stellen, das ist ein Beamtengehalt, das in Schleswig-Holstein nur die Grundschulleiter bekommen“, weiß Scharf. Etwa 400 Euro netto mehr mache das aus. „Und Lehrermangel gibt es überall. Die Hamburg-Nähe raubt uns Lehrkräfte“, ist sich Scharf sicher.

„Mit unseren jetzigen Angestellten haben wir Glück, aber das war nicht immer so.“ Einer der Soziologen wird jetzt sogar als Seiteneinsteiger ausgebildet. Er beginnt ein zweijähriges Referendariat und arbeitet bei reduzierten Stunden für das volle Gehalt. „Das ist ein gutes Modell. Wenn man jemanden hat, der fleißig und engagiert ist, muss man ihn festhalten. Wir brauchen schließlich Lehrer!“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

7000 Menschen besuchten die 69 Veranstaltungen in 14 Orten und an 17 Tagen – das Team der SE Kulturtage zog eine durchweg positive Bilanz der fünften SE-Kulturtage. Das Ziel, Kultur außergewöhnlich zu präsentieren, Menschen neugierig zu machen und dafür auch auf das Land zu locken, sei aufgegangen.

06.10.2018

Die Kirchengemeinde Henstedt-Rhen mit ihrem Pastor Frederik Beecken hat für Sonnabend, 10. November, einen ungewöhnlichen Abend initiieren. Dort sollen sich möglichst viele Henstedt-Ulzburger über das Kochen kennenlernen. "HU kocht" lautet das Motto.

06.10.2018

Eigentlich gilt bis Januar eine Anhörungszeit, in der keine neuen Windkraftanlagen gebaut werden dürfen. Das Land erteilt aber Ausnahmegenehmigungen. Von einer solchen wurden Bad Bramstedt, Weddelbrook und Lentföhrden überrascht. Dicht am Wohnpark Bissenmoor sollen acht Rotoren aufgestellt werden.

Einar Behn 06.10.2018