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Segeberg Mit Turm und Läufer gegen rechts
Lokales Segeberg Mit Turm und Läufer gegen rechts
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07:00 26.08.2014
Jan Erik Schaper (rechts) und Jens Walter wollen mit einem Schachcafé in Jamen für Demokratie, Toleranz und Vielfalt demonstrieren. Andrea Rehder, die Vorsitzende des Vereins, unterstützt die Initiative.
Kaltenkirchen

Mit einem Schachcafé wollen Jan Erik Schaper und Jens Walter vom Schachclub Kaltenkirchen die Dorfbewohner unterstützen, die sich von der rechten Szene des Ortes bedroht fühlen. Viele Bewohner werden dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet. Dadurch entstand eine bizarre Situation, über die Medien aus dem In- und Ausland in der Vergangenheit wiederholt berichtet haben.

 Birgit und Horst Lohmeyer, die einst aus Hamburg zugezogen waren, beschreiben ihre Lage so: „Als wir den ehemaligen Forsthof in Jamel übernahmen, rechneten wir nicht damit, dass ein ortsansässiger NPD-Kader wenig später das halbe Dorf aufkaufen und mit Gesinnungsgenossen bevölkern würde.“ Wegziehen oder wegsehen wollen sie nicht. Stattdessen veranstalten beide seit 2007 einmal im Jahr ein großes Musikfestival gegen die rechte Gefahr.“ Schirmherrin der Veranstaltung ist Sylvia Bretschneider, die Präsidentin des Landtages von Mecklenburg-Vorpommerns. Sie appelliert an alle, gegen rechtes Gedankengut einzutreten, um „diejenigen aus dem Takt zu bringen, die menschenverachtend gegen Vielfalt stampfen“.

 Dieser Appell ist auch bis nach Kaltenkirchen durchgedrungen Jan Erik Schaper wurde auf den etwa 130 Kilometer entfernten Ort und das Konzert aufmerksam. „Ich fuhr hin. Vorher hatte ich gedacht, das kann doch nicht so schlimm sein. Es war aber schlimm“, berichtete er. Einiges erinnere stark daran, wie nationalsozialistischer Alltag in den 1930er Jahren beschrieben wird.

 Der Kaltenkirchener trug seine Idee von einem Schachcafé beim Festival zunächst den Veranstaltern vor. Die sind dankbar für jede Unterstützung. Während der Jahreshauptversammlung des Schachvereins erfuhren auch die Mitglieder von der Absicht ihres Schachfreundes. Einwände gab es nicht. Im Gegenteil: Das Engagement des jungen Mannes wird mit Respekt begleitet.

 Am kommenden Freitag und Sonnabend, 29. und 30. August, ist es so weit. Begleitet nach Jamel wird Schaper von Jens Walter. Beide wollen dann Festival-Besuchern die Möglichkeit bieten, parallel zur Musik in entspannter Atmosphäre Schach zu spielen, ganz ohne sportlichen Ehrgeiz und nur mit dem Ziel, Position zu beziehen und die Veranstalter in ihrer Standfestigkeit gegen die beängstigende Nachbarschaft zu unterstützen.

 Erwartet werden an beiden Tagen jeweils zwischen 500 und 1000 Teilnehmer.

 www.forstrock.de

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