Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg 480000 Euro für einen Meter Brücke
Lokales Segeberg 480000 Euro für einen Meter Brücke
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:32 14.06.2018
Von Lutz Timm
Es führt ein Weg nach nirgendwo: Bürgermeister Klaus Brackel am derzeit westlichen Ende des Kirchenwegs im Ortsteil Kampen. Die hier geplante Brücke soll zum Ärger der Gemeinde wieder in fünf Metern Breite errichtet werden. Quelle: Lutz Timm
Anzeige
Nützen

Die kleine Überführung im Ortsteil Kampen sollte im Zuge des Autobahnausbaus in den alten Maßen – also einer Breite von fünf Metern – neu errichtet werden. Zu schmal und daher nicht zukunftsträchtig, monierten vor allem die Landwirte, deren Flächen beidseitig der A7 liegen. Sie forderten eine Verbreiterung auf sechs Meter. Unterstützung kam von der Kommune, die die Zustimmung zum Ausbau verweigerte – und auf ein Einlenken des Verkehrsministeriums hoffte. 

Herr Brakel, die alte Brücke ist abgerissen, die neue befindet sich im Bau. Wie breit wird sie denn jetzt?

Die wird leider nicht breiter als die alte Brücke. Wir haben lange für eine Verbreiterung gekämpft, aber uns wurde schnell klar gemacht, dass wir dann 480000 Euro dazugeben müssten. Man beruft sich da auf ein Gesetz, dass die einen Meter breitere Brücke ausschließlich auf Wunsch der Gemeinde errichtet werden würde. In meinen Augen ist das Quatsch, die Brücke wäre sowieso neu gebaut worden, da hätte man sie auch einen Meter breiter machen können.

Wie kommt der Betrag von knapp einer halben Million Euro für einen Meter Brücke zustande?

Die Gemeinde wäre mit 18 Prozent der Gesamtkosten beteiligt worden. Zu den Baukosten kommen noch 30 Jahre Nachsorge für das Bauwerk. 480000 Euro ist uns das Ganze aber doch nicht wert.

Bis Weihnachten soll die neue Brücke stehen

Also haben Sie sich mit der VSN und dem Verkehrsministerium geeinigt?

Das brauchten wir nicht. Wir haben ein Schreiben erhalten, in dem klipp und klar stand: die Brücke wird abgerissen und bis Weihnachten neu gebaut, ob ihr das wollt oder nicht. Auch die Straßen der Gemeinde wird man für die Arbeiten nutzen, hieß es darin. Das hat was von Faustrecht...

Was hätten Sie sich von den Verantwortlichen gewünscht? Immerhin hätte eine Ausnahme vielleicht viele weitere Gemeinden auf den Plan gerufen?

Das kann ich mir auch gut vorstellen. Aber dann hätte man ehrlich miteinander umgehen müssen und sagen: dieser zusätzliche Meter kostet realistisch gesehen so und so viel Geld, und dann teilt man sich die Kosten. Bis 150000 Euro hätten wir da vermutlich noch zugestimmt.

Verkehr nimmt auch auf den kleinen Straßen zu

Wie ist die Stimmung unter den betroffenen Anwohner?

Auch wenn wir uns damit abfinden müssen, fehlt bei vielen das Verständnis, weil die Pläne nicht zukunftsorientiert sind und zulasten unserer Landwirte gehen. Ich glaube auch nicht, dass zum Beispiel Rendsburg am Ausbau der Rader Hochbrücke mit 18 Prozent an den Kosten beteiligt wird. Außerdem werden nicht weit weg von Nützen Wildbrücken gebaut, die nicht breit genug werden können. Das ging auch 50 Jahre so, ohne das sich die Natur groß verändert hat. Die Maschinen der Landwirte werden hingegen immer breiter und auch bei uns nimmt der Verkehr auf den kleinen Straßen zu, weil der Arbeitsplatz oft nicht mehr im Dorf ist. 1970 hatte kaum einer im Dorf ein Auto. Heute fahren die Leute auch auch „achtern dör“ nach Kaltenkirchen, das wird man nicht verhindern können. Das ist dann auch eine Frage der Verkehrssicherheit. Außerdem soll in der Nähe der Brücke noch ein Gewerbegebiet entstehen, das für zusätzlichen Verkehr sorgen wird.

War das kein Argument für die Notwendigkeit einer breiteren Brücke?

Nein. Dazu hieß es: das ist euer Ding, das braucht ihr ja nicht zu machen.

Haben Sie denn das Gefühl, dass die Gegenwehr der Gemeinde zu einem Umdenken bei den zuständigen Planern geführt hat?

Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber ich werde es vermutlich nicht erleben, dass die Brücke nochmal angefasst wird. Ich bin als Bürgermeister immer der Meinung, dass man mit Geld, das einem nicht gehört, vernünftig umgehen muss. Aber gerade beim Ausbau der Autobahn wird auch für unnötige Sachen viel Geld verbrannt, da hätte man auch bei den Gemeinden kulanter sein können.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Fischotter ist zurück in heimischen Gewässer, auch in der Osterau. In Bimöhlen warnt sogar ein Verkehrsschild vor "Otterwechsel", und auch im Wildpark Eekholt besuchen immer mal wieder frei lebende Fischtotter ihren dort im Gehege lebenden Artgenossen.

Einar Behn 14.06.2018

Am vergangenen Freitag nahm die Polizei in Bad Bramstedt einen Betrüger fest, der mit dem sogenannten Enkeltrick eine Frau um ihre Ersparnisse bringen wollte. Die 83-Jährige hatte sich geistesgegenwärtig auf den Trick eingelassen und die Polizei verständigt. Die schnappte einen 18-jährigen Polen.

Einar Behn 04.06.2018

Das Wichtigste für die derzeit fast 450 Flüchtlinge, die in Henstedt-Ulzburg eine neue Bleibe gefunden haben, ist das Erlernen der deutschen Sprache. Möglich wird dies in vom Land finanzierten Sprachkursen, die bei den Volkshochschulen laufen.

Nicole Scholmann 04.06.2018
Anzeige