Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Operieren ist eine Herzensangelegenheit
Lokales Segeberg Operieren ist eine Herzensangelegenheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 06.05.2014
Von Patricia König
Herzchirurgin Prof. Dr. Chaludia Schmidtke (47) beherrscht als eine von wenigen in Schleswig-Holstein eine neue Operationsmethode. Quelle: Patricia König
Bad Segeberg

Sie ist 47 Jahre alt, kommt aus Boostedt und hat schon mehr erreicht als viele Andere in ihrem ganzen Berufsfeld: Claudia Schmidtke ist Professorin, Doktorin der Medizin, Master of Business Administration (MBA). „Ich befinde mich in einer ausschließlichen Männerdomäne“, sagt die unverheiratete Frau. Obwohl es viele Frauen ins Medizinstudium ziehe (momentan liege der Frauen-Anteil im Erstsemester sogar bei 70 Prozent), suche man Frauen in den Chefetagen vieler Krankenhäuser und Universitäten noch immer vergeblich. „In ganz Deutschland gibt es nur wenige Professorinnen und an den insgesamt 80 Herzchirurgien nur 49 Oberärztinnen, davon sind nur fünf in leitender Position“, bedauert Claudia Schmidtke, die auch im Auswahlausschuss der Universität Lübeck sitzt. Das ist ein Gremium, in dem Frauen und Männer interviewt werden, die zum Medizinstudium zugelassen werden wollen.

 „Die jungen Frauen möchten meistens Kinderärztin werden“, weiß die Medizinerin. Das sei für sie selbst allerdings nie in Frage gekommen. „Ich habe Hochachtung vor den Ärzten, die mit Kindern arbeiten“, versichert Prof. Dr. Schmidtke. Sie kümmert sich aber lieber um das Wohlergehen von Erwachsenen.

 Ihrer persönlichen Entscheidung, zunächst in der Chirurgie und insbesondere in der Herzchirurgie zu arbeiten, sei kein besonderes Schlüsselerlebnis vorausgegangen. „Das hat sich so ergeben. Aber Herzchirurgie - das hat etwas mit Ästhetik zu tun.“ Es sei zwar auch körperlich sehr anstrengend, über Stunden hochkonzentriert im Stehen zu operieren. Doch als Chirurgin arbeite man auch filigran handwerklich und äußerst unblutig. „Es macht mir einfach Spaß.“

 Nach dem Studium in Hamburg war sie als junge Ärztin erst einmal nach Frankreich gegangen. Dort arbeitete sie in der Intensivmedizin. „Ich wollte wissen, wie man Menschen reanimieren und intensiv versorgen kann.“ Zurück in Deutschland machte sie an verschiedenen Kliniken Station, war in der Allgemeinchirurgie tätig, in der Kardiologie in Kiel und zum Schluss in der Herzchirurgie in Lübeck. Dort lernte sie den Privatdozenten Dr. Ernst-Günter Kraatz kennen, der mittlerweile als Chefarzt die Herz- und Gefäßchirurgie in Bad Segeberg leitet. Er wollte Claudia Schmidtke unbedingt nach Bad Segeberg holen, die Ärztin beherrscht eine innovative Operationstechnik, die bis jetzt nur wenige Mediziner anwenden können. Sie kann mit der sogenannten „Jenavalve“ Herzklappen implantieren. „Diese ganz neue Methode wird immer dann eingesetzt, wenn eine defekte und nicht verkalkte Herzklappe ersetzt werden muss“, erklärt Claudia Schmidtke. Dazu benötige man nur einen kleinen Schnitt unter der linken Brust - und für die Operation muss der Patient nicht an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. „Das Herz schlägt weiter bei dem Eingriff. Nach der Operation geht es den Menschen oft sofort besser.“

 Das sei auch ein Grund für ihre Berufswahl: den Menschen schnell helfen zu können. Möglich sei das natürlich nur mit einem tollen Team. „Ich habe mich für Bad Segeberg entscheiden, weil ich hier eine leitenden Stellung habe und es hier viel familiärer zugeht.“ Sie habe qualifizierte und nette Kollegen angetroffen und zudem finde sie gut, dass mit Marlies Borchert eine Frau der Klinik vorsteht. „Das sollte zwar keine Rolle mehr spielen“, aber die Realität sehe leider immer noch anders aus. In den Segeberger Kliniken gibt es zudem eine leitende Oberärztin in der Gynäkologie und eine Chefärztin in der Anästhesie. „Das macht Hoffnung“, findet Claudia Schmidtke.

 Sie sitzt auch im Promotionsausschuss der Universität Lübeck, hat bereits ein Mentorenprogramm für Frauen in Führungspositionen organisiert und will weiterhin Vorlesungen halten. In ihrer wenigen Freizeit geht die Ärztin gern mit ihrer Hündin Clothilde spazieren.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!