6 ° / 1 ° Regen

Navigation:
Nun muss jeder mit jedem reden

Keine klare Mehrheit im Segeberger Kreistag Nun muss jeder mit jedem reden

Frischer Wind weht im Kreistag. Es gab einen Linksruck, CDU und FDP verloren ihre gemeinsame Mehrheit. Der Wegfall der 5-Prozent-Hürde spülte Linke und Piraten hinein. Die Grünen sind schon halb so stark wie die SPD. Und neu gemischt sind die Karten für die Wahl des Landrats durch den Kreistag 2014. CDU-Fraktionschef Claus Peter Dieck, bislang ein Favorit, räumt ein: „Es ist alles offen.“

Voriger Artikel
Ergebnisse der besonderen Art
Nächster Artikel
Zum 18. Mal feiern die Nationen miteinander

Unklare Mehrheiten schaffen Gesprächsbedarf am Wahltag im Kreishaus bei Landrätin Jutta Hartwieg (SPD, von links), Wolfgang Schnabel (FDP), Henning Wulf (CDU), Katharina Loedige (FDP).

Kreis Segeberg. Der Kreistag schrumpft von 64 auf 56 Sitze. Die Hälfte stellen CDU (25) und FDP (3), die zusammen zwar 49,8 Prozent erreichten, aber keine Mehrheit im Kreistag. Die andere Hälfte stellen SPD (16), Grüne (8), Linke (2) und Piraten (2). Mit der bisherigen 5-Prozent-Hürde wären Linke und Piraten herausgefallen, hätten CDU und FDP wohl ihre Mehrheit behalten.

 Stolz war CDU-Fraktionschef Dieck, dass die CDU zugelegt hat. Der Ausbau von Breitband, Straßen und Kinderbetreuung seien richtige Themen gewesen. Die „SPD-Kampagne“, mit der Kreistagswahl auch für die Wiederwahl von Landrätin Jutta Hartwieg (SPD) zu werben, „hat nicht gegriffen“. Wie viele Befragte zeigte auch er sich offen für Gespräche mit den Fraktionen. „Wir wollen nicht lange streiten.“

 Über Zugewinne freut sich ebenfalls SPD-Fraktionschefin Edda Lessing. „Wir werden in Klausur gehen und schauen, wie wir weiter Politik machen.“ Für die Wiederwahl von Landrätin Hartwieg durch den Kreistag 2014 sieht sie nun gute Chancen. „Wir wollen Stimmen auch bei den anderen Fraktionen sammeln, etwa auch mit der FDP sprechen.“

 „Das ist kein Selbstgänger, dass wir Jutta Hartwieg wählen werden“, bremst Arne Hansen, Fraktionschef der Grünen. „Die Verwaltungsspitze braucht eine Verwaltungsfachkraft, und das sind weder Hartwieg noch Dieck.“

 Die FDP ist sich ihrerseits der vermeintlichen Vorliebe für Dieck nicht sicher. „Wir müssen noch darüber reden, ob es Herr Dieck sein muss. Am liebsten hätten wir einen Parteilosen, so wie früher“, sagt FDP-Kreisvorsitzende und Kreistagsabgeordnete Katharina Loedige. Die Halbierung der FDP-Prozentzahl „begeistert mich nicht“. Das gute Ergebnis von 2008 sei aber ohnehin eine Ausnahme gewesen. FDP-Fraktionschef Wolfgang Schnabel sah die Ursache für die Verluste auf Landes- und Bundesebene.

 Ähnlich arg gerupft wurde die Linke-Fraktion. „Aber sie ist weiter im Kreistag“, tröstete sich Fraktionschef Heinz-Michael Kittler. Die unklaren Mehrheitsverhältnisse gebe kleinen Fraktionen mehr Einfluss. Als neuen Landrat kann Kittler sich Hartwieg und Dieck gleichermaßen vorstellen.

 Thomas Wilken freute sich über zwei Sitze für seine Piraten. Sie ziehen erstmals in den Kreistag ein. Er will mehr Transparenz schaffen und kann sich vorstellen, dass die kleinen Fraktionen für die Landratswahl 2014 einen eigenen Kandidaten vorschlagen. Außerdem „weiß ich nicht, ob bei der SPD alle hinter Jutta Hartwieg stehen“.

 Bedauert wurde von den Parteien die niedrige Wahlbeteiligung von 45 Prozent, vor allem in Städten. „Da wünsche ich mir mehr Unterstützung durch die Schulen, die junge Menschen dahingehend ansprechen“, sagte Dieck.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

Mehr zum Artikel
Kommentar

Früher war die politische Landschaft in Schleswig-Holstein übersichtlich. Die Dörfer waren schwarz, die Städte rot. Mit dieser Gewissheit hat die Kommunalwahl endgültig aufgeräumt. Die Grünen können auch auf dem flachen Land punkten, die CDU auch in großen Städten.

mehr