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Segeberg Täter müssen Verantwortung übernehmen
Lokales Segeberg Täter müssen Verantwortung übernehmen
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19:26 11.02.2019
Opferschutz durch Täterarbeit: Gewalttätige Männer können im Kreis Segeberg seit einem Jahr in ein Täterprogramm gewiesen werden. Quelle: Maurizio Gambarini/dpa
Bad Segeberg

Bisher konnten sich gewalttätige Männer vor so einer Auflage drücken. Die nächsten professionellen Stellen, die sich mit der Thematik auskennen, saßen relativ weiß weg, zum Beispiel in Kiel. Mit dem Verweis auf die lange Anreise schon, konnten sich Täter aus der Verantwortung ziehen. „Solche Programme werden auch nicht zugewiesen, wenn klar ist, der Mann geht da nicht hin“, wissen Pädagoge Nils Stühmer und Diplom-Sozialpädagoge Oliver Renner vom Kieler Antigewalt- und Sozialtraining (Kast). Sie bieten seit einem Jahr Täterarbeit direkt in Bad Segeberg an. Nun kann die Polizei schlagende Männer bereits nach dem ersten Verhör zur Täterarbeit schicken.

Verantwortung für die Taten übernehmen

„Binnen 14 Tagen sitzen die dann bei uns“, sagt Oliver Renner. Noch mit frischen Erinnerungen an die Tat. Auch wenn viele Männer erstmal sagen würden, sie erinnerten sich kaum. So einfach lassen Renner und Stühmer die Täter nicht davon kommen. Mit jedem Mann in der Gruppe werde eine ausgiebige Tatrekonstruktion gemacht. Minutiös. „Die sind dann ganz schnell wieder drin.“ Dabei geht es nicht nur um die wenigen Minuten der Tat selbst. Auch die Stunden davor und danach. Gemeinsam wird mit den Männern erarbeitet, wie hoch das Stresslevel, die Anspannung auf einer Skala von eins – Chillen auf der Couch – bis zehn – Gewaltausbruch – ist. Und das bei jedem Schritt. Wie hat sich die Aggression aufgebaut, was war der Auslöser, wie kam es zur Gewalt – und vor allem: Wo hätte der Mann aussteigen können aus der Situation. Und wie? 

Die Tat vor anderen Menschen zu erzählen, sich verantworten zu müssen, das zeige Wirkung. Spannenderweise, so Renner, kommt auch von den Männern Kritik am Verhalten der anderen Teilnehmer. „Obwohl die ja selbst geschlagen haben.“ Stolz sei keiner der Teilnehmer auf das aggressive Verhalten. Obwohl es natürlich auch Schläger gebe, die Spaß daran hätten, die Frauen zu quälen. „Die kommen aber nicht zu uns“, sagt Renner.

Außerdem werden Strategien entwickelt, um das Ohnmachtsgefühl loszuwerden, aus dem die Täter bislang durch Gewalt ausbrachen. Am Anfang heißt das vor allem: Raus aus der Situation, wenn es brenzlig wird. Die Verantwortung liege dabei ganz klar beim Mann, betonen die Pädagogen. Der Schläger ist derjenige mit dem Problem und muss etwas ändern.

Einige Täter allein verursachten Dutzende Polizeieinsätze

Noch sind die Fallzahlen im Täterprogramm in Bad Segeberg gering im Verhältnis zu den (bekannten) Fällen häuslicher Gewalt. Fünf Männer haben die Maßnahme abgeschlossen in 2018. Drei wurden von der Polizei geschickt, einer von der Staatsanwaltschaft, einer kam von sich aus. Das Angebot müsse sich herumsprechen bei der Polizei und bei Gericht. „Im Januar haben wir jetzt schon drei Männer“, sagt Renner. Es sei also auszugehen, dass es zukünftig mehr werden.

Fünf Täter in 2018, das klingt zwar wenig. Aber: „Zwei davon haben in den letzten Jahren über Hundert Polizeieinsätze verursacht“, verdeutlicht Stühmer. Seit dem Täterprogramm sei dies nicht mehr vorgekommen.

Von Nadine Materne

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