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Segeberg Protest gegen den Abriss
Lokales Segeberg Protest gegen den Abriss
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05:55 15.08.2013
Von Einar Behn
Helmut Straten (73) lebt seit vielen Jahren in der Altonaer Straße. Das Haus der sozialen Dienste (im Hintergrund) gehöre einfach zu diesem idyllischen Straßenzug, meint er. Quelle: Einar Behn
Bad Bramstedt

Geplant ist, das Haus möglichst schnell abzureißen, um auf dem Grundstück eine Krippe mit drei Gruppen zu bauen. Im Sozialausschuss hatten sich alle Parteien vor der Sommerpause dafür ausgesprochen. Die Zuschüsse aus einem Bundesprogramm sind in diesem Fall fast doppelt so hoch wie für den Umbau eines vorhandenen Gebäudes. Das Haus der sozialen Dienste befindet sich zudem in einem schlechten Zustand, zumindest innen. Jahrzehntelang wurde hier nur das Nötigste von der Stadt investiert. Der Haken an den Abrissplänen: Das frühere Armenhaus des Fleckens Bramstedt ist ein „einfaches Kulturdenkmal“. Die Stadt kann sich, anders als bei ins Landesdenkmalbuch eingetragenen Kulturdenkmälern, zwar über den Schutz hinwegsetzen. Politisch fragwürdig ist das aber, da sie nur allzu oft schon von privaten Hauseigentümern den Erhalt historischer Bausubstanz gefordert hat. Außerdem stehen Alleebäume und Pflaster in der Altonaer Straße unter strengem Denkmalschutz, weil sie eines der letzten erhaltenen Teilstücke der ersten „Kunststraße“ Schleswig-Holsteins ist, die noch unter dänischer Regentschaft Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Zu dieser Gesamtansicht gehöre untrennbar auch das fast genauso alte rote Backsteinhaus, das nun abgerissen werden soll, meint Helmut Straten.

 Er weiß sich mit dieser Meinung einig mit etlichen anderen Anwohnern der Altonaer Straße. „Zumindest die Fassade zur Altonaer Straße muss erhalten bleiben“, fordert er, sonst werde ein Stück Stadtgeschichte zerstört. Unterschriftenlisten liegen in seinem Pflanzengeschäft, gegenüber bei „Düt und Dat“ - dem Second-Hand-Laden von Elke Walluks - und im Kaisersaal aus. Die gesammelten Unterschriften sollen im September der Stadt übergeben werden.

 Die verhandelt mittlerweile mit den derzeitigen Nutzern des alten Hauses. Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach gab sich jedoch bedeckt, was mit ihnen geschehen soll. „Mit dem Kinderschutzbund haben wir Vertraulichkeit vereinbart“, sagte Kütbach. Gespräche sollen in dieser Woche stattfinden. Das bestätigte auch der Vorstand des Kinderschutzbundes. Er betreibt in dem Haus eine Kindergartengruppe mit zurzeit 18 Kindern sowie einen Hort, in dem 15 Kinder angemeldet sind.

 Dem Deutschen Roten Kreuz will Kütbach vorschlagen, auf dem Gelände an der Altonaer Straße ein eigenes Gebäude zu errichten. Das biete sich an, da das DRK dort auch seine Garagen hat, in dem Fahrzeuge und Ausrüstung untergebracht sind. Ob die Eigenmittel des Ortsverbandes für einen Neubau reichen, ist fraglich. Schon die Garagen konnten nur mit Spendengeldern errichtet werden. Im Haus der sozialen Dienste bezahlt das DRK zudem keine Miete. Dem Sozialverband Deutschland als weiterem Nutzer wurde angeboten, einen freiwerdenden Raum im Familienbüro zu nutzen.

 Die Zeit drängt: Die Stadt kann den seit Monatsbeginn geltenden Rechtsanspruch der Eltern auf einen Krippenplatz nicht erfüllen. Sie muss deshalb dringend neue Krippen schaffen. Außerdem setzt das Bundesförderprogramm Fristen. Ende 2014 muss die Krippe in Betrieb sein. Noch in diesem Jahr soll deshalb in der Altonaer Straße der erste Spatenstich gesetzt werden. Kalkulierte Kosten: 750000 Euro. Da der Bund jeden neu gebauten Krippenplatz mit 22000 Euro bezuschusst, kann die Stadt mit Fördermitteln von 660000 Euro rechnen. Bei einer Erweiterung, und als solche würde möglicherweise auch der Ausbau des Hauses der sozialen Dienste gelten, gibt es nur 14000 Euro pro Platz.

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