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Segeberg Radeln auf der Straße: Gut oder schlecht?
Lokales Segeberg Radeln auf der Straße: Gut oder schlecht?
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19:30 29.07.2014
Von Patricia König
Der ADFC will darüber Auto- und Radfahrer darüber aufklären, dass man auf der Kurhausstraße radeln darf.
Bad Segeberg

Bauamtsleiterin Antje Langethal will die Schilder zeitnah aufstellen lassen. Bürgermeister Dieter Schönfeld widersetzt sich dem Vorhaben nicht, sieht das Radeln auf der Fahrbahn jedoch kritisch: „Ich persönlich würde das nicht tun.“

 Der ADFC hält das Radfahren auf der Fahrbahn der Kurhausstraße für sinnvoll, weil die beiden vorhandenen Radwege mit je nur rund 80 Zentimetern Breite viel zu schmal sind. Daher ist die Benutzungspflicht bereits vor einigen Jahren erloschen.

 Weiterhin sollen sämtliche Straßen der Stadt von der Kreisverkehrsaufsicht dahingehend überprüft werden, ob die Radfahrer zur Benutzung der Radwege verpflichtet sind oder ob sie ebenfalls auf die Fahrbahn ausweichen dürfen.

 Die Bad Segeberger Fahrrad-Arbeitsgemeinschaft, in der Vertreter aus Stadtverwaltung, Politik, Allgemeinem Deutschem Fahrradclub (ADFC) und Seniorenbeirat mitwirken, hatte sich eigentlich getroffen, um ihre erste Radwege-Befahrung Revue passieren zu lassen.

 Gleich zu Beginn der Sitzung konfrontierte ADFC-Sprecher Nils Hinrichsen die Anwesenden mit der überraschenden Ankündigung, dass sich der ADFC voraussichtlich aus der Arbeitsgemeinschaft zurückziehen werde. Neben organisatorischen Gründen zeigte sich Hinrichsen unzufrieden mit dem Fortschritt in der Arbeit zu Gunsten der Radfahrer. „Der ADFC hat mehr als seine Hausaufgaben gemacht.“ Jetzt seien Verwaltung und Politik an der Reihe, die benannten Missstände abzustellen. Die ADFC-Ortsgruppe habe bei einer Befahrung der Radwege einen Mängelkatalog mit Fotos und Beschreibungen erstellt und die Route für die gemeinsame Befahrung ausgearbeitet.

 „Der ADFC kann Impulse geben, wo und was nicht richtig läuft, um die Interessen der Radfahrer zu vertreten“, sagte Hinrichsen. Weitere Konzepte oder Ausarbeitungen seien aber nicht die Aufgabe des Clubs.

 „Die Umsetzung, wie etwa der öffentliche Hinweis durch einfache Schilder, dass Radfahrer zum Beispiel in der Kurhausstraße auf der Fahrbahn fahren dürfen, wäre ohne viel Aufwand und Kosten möglich“, sagt Hinrichsen. Antje Langethal verwies darauf, dass manches schon umgesetzt worden sei. Auch sie hält die Aufstellung von Informationsschildern an der Kurhausstraße für sinnvoll.

 Bürgermeister Schönfeld ist in diesem Punkt etwas skeptischer. Er glaubt, dass das Radeln nicht gerade zur Verkehrssicherheit beitragen wird. „Weil die gewünschten Schilder aber nur eine bestehende Rechtslage erläutern und keine neue schaffen, kann ich mich damit anfreunden. Außerdem ist es ja keine Regelung, dass man auf der Straße fahren muss - das kann jeder Radfahrer für sich selbst entscheiden.“

 Henning Jensen (Bündnis 90/Die Grünen) pflichtet dem ADFC bei und betont, dass man mit einer einfachen Beschilderung am Anfang und Ende der Kurhausstraße ein wichtiges Signal an die Rad-, aber auch an die Autofahrer geben würde. „Die Autofahrer müssen wissen, dass die Radfahrer dort auf der Straße fahren dürfen.“ Bislang werden Radfahrer regelmäßig bepöbelt, wenn sie die Fahrbahn benutzen und damit die ohnehin angespannte Verkehrslage auf der Kurhausstraße weiter verschärfen.

 Hartmut Gatz (Freie Wählergemeinschaft BBS) schlug solch eine Beschilderung auch für die Straße An der Trave vor. „Wenn erst einmal Radfahrer und Autofahrer gemeinsam die Straße benutzen dürfen, dann wird sich die jetzt sehr angespannte Verkehrslage deutlich entspannen“, glaubt Nils Hinrichsen. Das hätten Erfahrungen in anderen deutschen Städten gezeigt.

 ADFC-Mitglied Gisela Radetzki erinnerte an ihre Heimatstadt München. Dort gebe es jetzt in der gesamten Innenstadt Fahrradstraßen, auf denen sowohl Auto- als auch Fahrradfahrer ohne Probleme fahren. „Das hätte ich nie für möglich gehalten.“ Allerdings ist die Straßenbreite in Bad Segeberg deutlich geringer.

 Um eine flächendeckende Umsetzung des gemeinsamen Fahrens in der Kalkbergstadt überhaupt in Angriff nehmen zu können, muss zuvor die Radwegebenutzungspflicht überprüft und gegebenenfalls aufgehoben werden, sagte Bauamtsleiterin Langethal. Dazu wird sich die Stadtverwaltung mit Polizei und ADFC-Vertretern zusammensetzen, um einen entsprechenden Antrag an die Verkehrsaufsicht des Kreises Segeberg zu stellen.

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