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Segeberg Ohne Ausweise geht nichts mehr
Lokales Segeberg Ohne Ausweise geht nichts mehr
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10:17 04.12.2018
Von Michael Stamp
Hans-Joachim Wild, Vorsitzender der Segeberger Tafel seit 2012, zeigt die vier Ausweis-Farben, die zum kostenlosen Einkauf im „Laden ohne Kasse“ in Bad Segeberg oder Wahlstedt berechtigen. Quelle: Michael Stamp
Bad Segeberg

Eigentlich hatte das Team um den Vorsitzenden Hans-Joachim Wild derlei Bürokratie nie gewollt, aber mittlerweile wird die Tafel derart überrannt, dass dem Vorstand nichts anderes mehr übrig bleibt. Vor 20 Jahren wurde die Segeberger Tafel gegründet; und aus der Zwei-Personen-Initiative von einst ist eine Art mittelständisches Unternehmen auf ehrenamtlicher Basis geworden.

1998 von zwei Frauen gegründet

Im Jahre 1998 war die Bad Segebergerin Herdis Hagemann in der Fußgängerzone ihrer Heimatstadt unterwegs – und dabei sah sie etwas, das sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis einbrannte: Sie beobachtete, wie jemand in einem Mülleimer nach Essbarem suchte. Noch im selben Jahr gründete sie gemeinsam mit ihrer Freundin Christine Winter die Segeberger Tafel. Heute setzen sich über 720 Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 18 Euro ein, dass Bedürftige mit kostenlosen Lebensmitteln versorgt werden.

120 ehrenamtliche Helfer

120 Mitglieder arbeiten außerdem als ehrenamtliche Helfer mit – zum Beispiel als Fahrer, die in der Region unterwegs sind, um nicht mehr benötigte Produkte bei Supermärkten, Restaurants und Bauernhöfen abzuholen. Alles wird sortiert und dann im „Laden ohne Kasse“ (Efeustraße 1) an Bedürftige verteilt. Zudem gibt es in der sieben Kilometer entfernten Industriestadt Wahlstedt inzwischen eine Zweigstelle.

Die Ausweise waren 2016 notgedrungen eingeführt worden, weil sich im Zuge der Flüchtlingskrise die Zahl der Bedürftigen drastisch erhöht hatte, schildert Hans-Joachim Wild. Der pensionierte Oberstudienrat ist seit 2012 der Vorsitzende des Vereins. Flüchtlinge machen heute etwa 70 bis 80 Prozent der Tafel-Kundschaft aus. Über 200 Ausweise wurden ausgegeben – in Bad Segeberg sind mittlerweile drei Ausgabezeiten an zwei Tagen eingerichtet, hinzu kommt noch die Wahlstedter Zweigstelle. Wer noch keinen Ausweis hat, lässt sich auf eine Warteliste setzen.

Bedürftigkeit nachweisen

Bei den Flüchtlingen musste zunächst einmal geklärt werden, wer in seiner Unterkunft komplett versorgt wird und wer Anspruch auf Lebensmittel von der Tafel hat. Auch bei den traditionellen Kunden verlangen der 74-jährige Vorsitzende und seine Mitstreiter inzwischen einen Nachweis der Bedürftigkeit. „Wir sind davon ausgegangen, dass uns etwa 20 Prozent der Leute behumpst haben.“ Doch das ist vorbei: Mittlerweile müssen die Nutzer einmal monatlich solch einen Nachweis erbringen.

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