Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Segeberg Selbstverteidigung im Rollstuhl
Lokales Segeberg Selbstverteidigung im Rollstuhl
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:50 07.08.2013
Frank Gärtner (links) trainiert mit Bianca Beecken die Abwehr eines Angreifers, während Ute Rucht und Ute Wollmann den Ablauf genau verfolgen. Die Gruppe wünscht sich noch mehr Teilnehmer.
Bad Bramstedt

Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch von 16 bis 17.30 Uhr in der Seniorenresidenz Am Köhlerhof. Neben dem Erfahrungsaustausch geben sich die Betroffenen gegenseitig Tipps, beispielsweise beim Umgang mit Behörden oder Krankenkassen. Die Selbstverteidigung ist ihr neuestes Projekt.

 Die Idee hatte Bianca Beecken, Gewaltpräventionstrainerin in der Sievershüttener Sportschule Alstergym. Sie habe von Vorfällen in Hamburg gehört, bei denen Rollstuhlfahrer angegriffen wurden, schilderte sie. Über eine Kleinanzeige war sie auf die Bad Bramstedter Selbsthilfegruppe aufmerksam geworden und nahm Kontakt zu Gärtner auf. „Ich habe mich in seinen Rollstuhl gesetzt, um mit einem Kollegen auszuprobieren, welche Möglichkeiten der Selbstverteidigung in Frage kommen“, berichtete die Präventionslehrerin. „Für mich war das auch Neuland.“ Die Stockkampfsportart Kali-Combat sei ihr schließlich als geeignet erschienen.

 „Ich möchte natürlich keine Rollstuhlrambos ausbilden“, versichert sie. Trainiert werden bestimmte Bewegungen und Abläufe, beispielsweise der Aufschwung mit einem oder mehreren Stöcken. Vorrangig gehe es um Abwehr und erst in zweiter Linie auch darum, den Angreifer selbst zu treffen, erklärt die Trainerin. Die Rollstuhlfahrer müssten im Übrigen nicht ständig einen Schlagstock bei sich haben. Auch ein Regenschirm könne durchaus hilfreich sein.

 Es geht auch um den psychologischen Effekt. Wer sich wehren kann, findet sich nicht automatisch in der Opferrolle wieder. Selbstsicheres Auftreten alleine verschrecke schon manchen Täter, weiß Beecken.

 In echte Bedrängnis ist noch keiner der Teilnehmer gekommen. „Ich habe mich aber schon so manches Mal vor übereifrigen, manchmal auch aufdringlichen Helfern zur Wehr setzen müssen“, sagt Ute Rucht. „Wenn wir ein Hilfsangebot ablehnen, sollten die Menschen das auch so akzeptieren“, sind sich die Gruppenmitglieder einig.

 Frank Gärtner, der aufgrund einer Krankheit seit Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist, lädt Leidensgenossen ein, sich einmal in der Woche in der Seniorenresidenz zu treffen. „Auch jüngere Menschen sind willkommen“, sagt er. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich unter Tel. 0157/34486578 melden.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige