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Segeberg So hart ist der Alltag der Fernfahrer
Lokales Segeberg So hart ist der Alltag der Fernfahrer
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05:50 19.08.2013
Einige der Zugmaschinen sind wahre Kunstwerke, mit der Airbrush-Pistole verschönert. Vor allem die Dänen legen viel Wert darauf.
Großenaspe

„Wir wollen den Besuchern zeigen, wie hart der Alltag der Fernfahrer ist. Ohne sie würden überall die Warenregale leer bleiben“, betont Devils-Chef Markus Rigsinger. Als Raststätten-Betriebsleiter erfährt er die Sorgen und Nöte seiner rollenden Kunden hautnah.

 Lars Jensen lenkt fünfmal pro Woche Container zwischen Dänemark und dem Hamburger Hafen hin und zurück. Die 700 Kilometer lange Strecke fährt der 37-Jährige prinzipiell nur nachts, weil die viel befahrene Autobahn dann deutlich leerer ist. Weil Jensen auch bei Schnee, Eis und Dauerregen ausnahmslos nur Shorts trägt, heißt er im Hafen der Hansestadt im Speditionsgewerbe nur „Der letzte Wikinger“. Das Branchentreffen in Brokenlande nutzte auch Jensen zum Klönen und Fachsimpeln mit den Kollegen. „Wir sehen uns im stressigen Alltag kaum. Hier hat man endlich Zeit zum Luftholen“, begründete er sein Kommen.

 Ein buntes Rahmenprogramm unterhielt auch die Gäste. Es gab Live-Bands, zwei Discjockeys und eine üppig bestückte Tombola. Die Kleinen erfreuten Kinderschminken, eine Hüpfburg und das beliebte „Hau den Lukas“. Traditionsgemäß wird der Reinerlös vom „Truck Day“ an eine gemeinnützige Einrichtung überwiesen: Voriges Jahr wurde die Lebenshilfe Bad Bramstedt bedacht, diesmal der Ambulante Jugendhospizdienst in Kiel.

 Wie hart der Job des Truckers ist, weiß Hans Michael Nickel am besten. Jahrelang war er selbst Fernfahrer, jetzt ist er Ausbilder im Norderstedter Schulungszentrums des Technischen Überwachungsvereins (TÜV). Nickel kennt deshalb Theorie und Praxis hautnah. „Der Termindruck der Spediteure ist enorm. Wer den auf Dauer nicht aushält, steigt bald wieder aus“, sagt er. Auch die tagelangen Trennungen von Ehefrau und Kindern sind nicht jedermanns Sache. Die Zeiten, in denen Fernfahrer als bessere Hilfsarbeiter mit Führerschein galten, sind vorbei. Der Berufskraftfahrer ist hierzulande ein Lehrberuf, seit vier Jahren gelten europaweit gleiche Ausbildungsbestimmungen. „Gute Fahrer“, weiß Nickel, „werden händeringend gesucht.“

 Natürlich muss auch im mobilen Gewerbe die Bezahlung stimmen. Wer jedoch unter Fernfahrern nach Zahlen fragt, bekommt keine klaren Auskünfte. Einige Chefs legen aufs Grundgehalt noch Zuschläge oder Prämien. Außerdem verdient ein Selbstständiger, der auf eigene Rechnung fährt, mehr als ein angestellter Fahrer. Martin Fitsch aus Amberg/Oberpfalz, seit acht Jahren sein eigener Chef, rechnet vor, dass er im Monat im Schnitt 20000 Euro Umsatz macht. Abzüge: 9000 Euro für Diesel, 1500 Euro Maut, 500 Euro Versicherungsprämien und 3000 Euro Kreditraten für die Zugmaschine. Für die Freiheit, sein eigener Herr zu sein, bezahlt er mit dem Mangel an Freizeit. Der 1,95-Meter-Mann mit der lauten Stimme: „Was ich tue, ist für mich Beruf und Hobby zugleich. Diesen Job muss man nicht lieben, sondern leben.“

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