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Segeberg Prozess: Angeklagtem fehlt Erinnerung
Lokales Segeberg Prozess: Angeklagtem fehlt Erinnerung
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18:45 19.10.2018
Von Thomas Geyer
Seit Freitag muss sich ein 30-Jähriger wegen zweifachen versuchten Mordes vor dem Kieler Landgericht verantworten. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Bad Segeberg/Kiel

Laut Anklage verletzte er in der Nacht zum 15. April 2018 zwei Diskogänger heimtückisch in Tötungsabsicht mit bis zu 16 Zentimeter langen Schnitten in den Hals.

Sie würden beide sterben, soll der große, kräftige Mann den stark blutenden Opfern zugerufen haben, als sie gegen 2.15 Uhr schwer verletzt in eine Seitenstraße flüchteten. Der mutmaßliche Täter ist in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht. Er ist massiv drogenabhängig, berichtet von Verfolgungswahn, will Stimmen gehört haben. Das jüngere Opfer (21) nimmt als Nebenkläger am Prozess teil. Der Segeberger hatte am Abend mit Freunden gegrillt und Alkohol getrunken. Später spazierte seine Clique in lockerer Formation durch die Innenstadt. Gemeinsames Ziel: die Diskothek.

Wodka und Bier getrunken

Am Eingang des ehemaligen Antikschuppens am Alten Bahnhof soll der betrunkene Angeklagte soeben eine Abfuhr von den Türstehern bekommen haben, als er laut vor sich hin schimpfend auf dem Parkplatz auf das erste Opfer traf. Auch der 29-Jährige war stark alkoholisiert. „Wodka und Bier, nicht zu knapp“, will der Zeuge selbst vor der Begegnung konsumiert haben.

Mit dem Fuß auf den Kopf getreten

Sein jüngerer Leidensgenosse hat klarere Erinnerungen an den Tatablauf: Der 21-Jährige stand demnach bereits am Eingang der Diskothek, als er seinen Kumpel mit dem Angeklagten auf dem Parkplatz entdeckte. "Es sah so aus, als ob sie sich da prügelten." Als er den Tatort erreichte, lag der 29-Jährige bereits am Boden. Lautstark habe er den Angeklagten zur Rede gestellt.

Dieser habe dann seinem am Boden liegenden Kumpel mit dem Fuß wuchtig auf den Kopf getreten. "Wenn du mich anfasst, stirbst du!", habe er ihm zugerufen. Trotzdem will der 21-Jährige den Angeklagten an der Schulter gepackt und von dem Schwerverletzten weggezogen haben. "Da ist er mir dann gleich an den Hals gegangen." Später entdeckte der Zeuge den Täter auf Facebook, identifizierte ihn auf Polizeifotos. Auch im Gerichtssaal erkenne er ihn eindeutig wieder.

Kurz zuvor Umzug nach Bad Segeberg

Am Prozess nimmt auch eine Fachärztin für Psychiatrie teil. Die Sachverständige soll die Schuldfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit beurteilen. Er hatte reichlich Alkohol getrunken – angeblich eine ganze Flasche Rum. Erst wenige Wochen zuvor war der in Heimen aufgewachsene Rendsburger zu seiner neuen Lebensgefährtin nach Bad Segeberg gezogen. "Ich habe ihr gebeichtet, dass ich politox bin." Ihr zuliebe will der gelernte Zimmermann zwei Tage vor der Tat sämtliche Betäubungsmittel und Tabletten abgesetzt haben.

Doch während die Krankenpflegerin Nachtdienst hatte, trank der angeblich unter Entzugserscheinungen leidende Angeklagte in ihrer Wohnung mit einem alten Kumpel exzessiv Alkohol. Der Zechgenosse könnte als einziger über den Verlauf des Tatabends berichten, arbeitet jedoch derzeit in England. Die Gutachterin hält ihn für einen wichtigen Zeugen und regte seine Ladung an. Für den Prozess hat die 3. Große Strafkammer drei weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte Mitte November verkündet werden.

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