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Segeberg Chefin kämpft für armenischen Azubi
Lokales Segeberg Chefin kämpft für armenischen Azubi
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07:00 27.06.2018
Von Norbert Rochna
Nur die Polohemden mit seinem Namenszug sind bei Edeka Kost in Wahlstedt von David Gasparyan geblieben. Chefin Anja Kost ist zutiefst erschüttert und empört, dass der 17-jährige Auszubildende Deutschland verlassen muss, obwohl er vorbildlich integriert ist. Quelle: Michael Stamp
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Wahlstedt

David Gasparyan und Mutter Nune (38) müssen sich  in Boostedt einfinden: in der Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Von dort aus sollen sie zum Flug in die „Heimat“ aufbrechen; nur dass der 17-Jährige diese Heimat gar nicht kennt. „Er muss wieder bei Null anfangen“, sagt Anja Kost mit nur mühsam unterdrücktem Zorn.

Das Grundproblem: David besitzt keinerlei Ausweispapiere. Er kann die Geschichte, die er erzählt, nicht schriftlich belegen. Aber sie ist stimmig – und sie passt zeitlich und räumlich frappierend mit Ereignissen zusammen, die es in Syrien und Armenien tatsächlich gegeben hat. Doch das ist für Anja Kost zweitrangig: Sie hat David als engagierten Mitarbeiter kennengelernt, der eine Bereicherung ihres Teams ist.

In Armenien geboren, in Syrien aufgewachsen

Der Kern der Schwierigkeiten liegt fast vier Jahrzehnte in der Vergangenheit. „Meine Mutter wurde 1980 in Armenien geboren“, schildert David in fließendem Deutsch.Bei einem Erdbeben 1988 wurde sie zur Waise. Daraufhin sei seine Mutter adoptiert worden und nach Syrien gekommen, berichtet David weiter. „Sie ist da aufgewachsen. Und ich auch.“ David verbrachte seine Kindheit in Kessab, einer Kleinstadt mit 4000 Einwohnern im Nordwesten von Syrien. Die Bevölkerung ist seit Jahrhunderten armenisch geprägt.

2014 flüchteten David und Nune Gasparyan. „Es war keine Zeit, die Papiere zu holen. Wir sind mit 30 anderen Leuten auf den Anhänger von einem Trecker gestiegen und einfach losgefahren.“ Per Lkw ging es nach Deutschland.

Armenien gilt als sicheres Land

Bei der Einreise gab Nune Gasparyan auch zu Protokoll, dass sie in Armenien geboren worden war. „Wäre seine Mutter nicht so ehrlich gewesen, hätten wir kein Problem“, sagt Anja Kost verärgert. Sie begreift vor allem eines nicht: Es werde der Frau zwar ihre Geburt in Armenien geglaubt, nicht aber ihre Flucht aus Syrien. Deshalb soll sie mit ihrem Sohn in das als sicher geltende Land „zurückgeführt“ werden.

Anja Kost hat den Flüchtlingsbeauftragten der Industrie- und Handelskammer eingeschaltet; auch beim Innenministerium Schleswig-Holstein hat sie sich beschwert. Beides ohne Erfolg. Aktuell versucht sie noch, im Rahmen einer Härtefallregelung etwas für den jungen Mann zu erreichen. „David hat leider resigniert – aber ich nicht.

EDEKA-Chefin will nicht aufgeben

Er hat viel Deutsch gelernt und alles getan, was verlangt wurde.  „Ich bin in Bad Segeberg ins Schulzentrum gegangen – das heißt jetzt Schule am Burgfeld.“ Er und seine Mutter haben beide einen festen Job Für Anja Kost ist es unfassbar, wie in Davids Fall entschieden wird. Sie gibt die Hoffnung erst auf, wenn David im Flugzeug sitzt. „Vielleicht passiert ja noch ein Wunder.“

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