Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Gesundheit Therapie von Parkinson: Auf der Spur der Ursachen
Mehr Gesundheit Therapie von Parkinson: Auf der Spur der Ursachen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 18.03.2019
Körperliche Aktivität ist nach Einschätzung von Experten eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Parkinson. Quelle: UKSH / AKZ-O

Parkinson. Diese Diagnose löst bei den Betroffenen meist und große Ängste aus. Doch so ernst ein solcher Befund zweifellos ist, so wenig muss er ein Grund zur Resignation sein. Tatsächlich haben sich die therapeutischen Möglichkeiten in den vergangenen Jahren erheblich verbessert. Und auch aktuell tut sich Vielversprechendes, was Früherkennung und ursächliche Behandlung der Parkinsonschen Krankheit betrifft.

„Parkinson kann Jahre oder Jahrzehnte beginnen, bevor die typische Verlangsamung, das Zittern oder die Steifigkeit die Diagnose erlauben“, berichtet Prof. Daniela Berg, die Direktorin der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein (UKSH) in Kiel. Die Aussichten, der Krankheit wesentlich früher auf die Spur zu kommen, waren dabei nach ihren Angaben noch nie so gut wie heute. Ein besonders verlässliches Warnzeichen ist die sogenannte RBD. RBD steht für „Rapid-Eye-Movement Sleep Behaviour Disorder“ und beschreibt das Phänomen, dass Träume im Schlaf durch wildes Fuchteln oder Umsich- Schlagen ausgelebt werden. „Wer diese Schlafstörung hat, wird innerhalb der nächsten zehn Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent an einem Parkinsonsyndrom erkranken“, zitiert Prof. Berg die übereinstimmende Kernaussage verschiedener wissenschaftlicher Studien.

Wenn das Wasser aus dem Glas schwappt, kann das ein Symptom für Parkinson sein.

Weniger spezifisch sind andere Frühwarnzeichen wie eine kaum noch vorhandene Geruchswahrnehmung. Die wird oft sogar nicht einmal richtig bemerkt, weil sie das Ergebnis eines schleichenden Prozesses ist. Eine Depression oder eine hartnäckige Verstopfung kann ebenfalls auf Parkinson hindeuten, allerdings auch auf etliche andere Krankheiten. Trotzdem sollte immer dann sehr genau hingeschaut werden, wenn mehrere solcher Signale zugleich auftreten, rät Prof. Berg. Sinnvoll ist Früherkennung allerdings immer nur dann, wenn ein therapeutischer Nutzen damit verbunden ist. Und Parkinson gilt weithin nach wie vor als Erkrankung, bei der allenfalls die Symptome gelindert werden können. Das könnte sich aber in absehbarer Zeit ändern, denn der medizinischen Forschung gelingt es zunehmend, die Ursachen des Leidens besser zu verstehen und daraus erfolgversprechende Behandlungsmethoden abzuleiten. „Parkinson entsteht sehr wahrscheinlich nicht im Gehirn“, beschreibt Daniela Berg die vielleicht wichtigste neuere Erkenntnis. Inzwischen geht die medizinische Fachwelt davon aus, dass die Krankheit zumindest bei einem großen Teil der Betroffenen zunächst im Magen-Darm-Trakt sitzt und sich von dort aus ins Gehirn ausbreitet. Auch der Mechanismus, der zur Ausbreitung des Krankheitsprozesses bis ins Gehirn und damit zur Auslösung der für diese Krankheit typischen Bewegungsauffälligkeiten führt, wird zunehmend besser verstanden. Offensichtlich handelt es sich um ein fehlgefaltetes Eiweiß, das sich von Nervenzelle zu Nervenzelle ausbreitet. Giftige Stoffwechselprodukte, die dabei entstehen, schädigen dann die Zellen, sodass es zu gestörter Motorik kommt. Wäre es nun möglich, diesen Prozess durch Antikörper zu blockieren, könnte der Ausbruch von Parkinson verzögert oder sogar ganz verhindert werden, lautet die Hoffnung. Ob solche Hoffnungen berechtigt sind, wird derzeit in Kiel in einer klinischen Studie bei Patienten im frühen Stadium der Erkrankung ermittelt. Konkret geht es dabei um Impfungen zur Blockade der Ausbreitung des fehlgefalteten Eiweißes. Seriöse Aussagen zu deren Wirksamkeit lassen sich laut Prof. Berg erst in einigen Jahren treffen. Was sich indes jetzt schon abzeichnet, ist eine recht gute Verträglichkeit der eingesetzten Mittel. Ein weiterer ursächlicher Therapieansatz setzt direkt in der „Substantia nigra“ an, einer Struktur, die im Mittelhirn für die Produktion des Botenstoffes Dopamin zuständig ist. Zu viel freies Eisen führt dort offenbar zu schädlichen Stoffwechselprozessen, sodass die Zellen zugrunde gehen und die Herstellung von Dopamin, das für die regelrechte Bewegung nötig ist, vermindert wird. Die freien Eisenpartikel medikamentös zu binden und damit den Dopamin-Engpass zu beheben, wird derzeit ebenfalls in klinischen Studien getestet. Nicht zuletzt könnte der Kampf gegen Parkinson auch auf der genetischen Ebene geführt werden. Bei schätzungsweise drei bis vier Prozent der Betroffenen liegt eine sogenannte GBA-Mutation vor. Dieser Defekt verhindert den Abbau von verklumpten Proteinen und führt damit zur Erkrankung. Die therapeutische Idee besteht darin, den Stoffwechsel medikamentös zu beeinflussen, sodass in der Zelle das geschieht, wozu das defekte Gen nicht in der Lage ist. Auch wenn es zum Jubeln noch viel zu früh ist, gibt sich die Chefin der UKSH-Neurologie zuversichtlich, dass in absehbarer Zukunft die Parkinsonsche Krankheit spürbar besser behandelt werden kann. „All diese neuen Ansätze gehen nicht an die Symptome, sondern an die Ursachen heran“, begründet sie ihren Optimismus. Und vergisst nicht hinzuzufügen, dass jeder Mensch für sich persönlich bereits heute sehr viel tun kann, um Parkinson erst gar keine Chance zu geben. „Körperliche Aktivität ist eine der wirksamsten Maßnahmen gegen Parkinson, die wir kennen“, rät die Ärztin. Wer sich dann noch eine – überdies äußerst schmackhafte – mediterrane Ernährungsweise mit Fisch, gesunden Ölen und viel Gemüse angewöhnt, macht schon sehr viel richtig. Empfehlenswert wäre dann höchstens noch, darauf zu achten, reichlich Polyphenole zu sich zu nehmen. Was ebenfalls kein großes Opfer darstellt. Diese Stoffe stecken zum Beispiel in Beeren, im Kaffee oder anderen beliebten Nahrungsmitteln und gelten ebenfalls als schlagkräftige Gegner von Parkinson.

Keine Wunder, aber Hoffnung

Mehr noch als vor einer Parkinson- Erkrankung fürchten sich viele Menschen vor Alzheimer. Der Grund ist die Angst vor einem Gedächtnisverlust bis hin zum totalen Verschwinden der eigenen Persönlichkeit. Doch auch wenn Alzheimer derzeit immer noch nur auf Ebene der Symptome behandelt werden kann, ist die Früherkennung von großer Bedeutung. Ähnlich wichtig ist nach Einschätzung von Prof. Thorsten Bartsch, Leitender Oberarzt in der Klinik für Neurologie und Demenzexperte, die Vorbeugung.

Vollständig gelöst ist das Rätsel um die Ursachen von Morbus Alzheimer zwar noch nicht, sicher ist aber, dass diese häufigste Form von Demenz durch fehlgefaltete Eiweißablagerungen im Gehirn ausgelöst wird. Diese Ablagerungen blockieren die Kommunikation in und zwischen den Gehirnzellen, und zwar vorzugsweise in den Regionen, die für das Gedächtnis, das Denken, die Sprache und die Orientierung zuständig sind: in der Großhirnrinde und im Hippocampus. Obwohl derlei Zusammenhänge recht gut erforscht sind, lässt der ganz große medizinische Wurf gegen Alzheimer auf sich warten. Aktuelle Therapie-Ansätze zielen nach Angaben von Prof. Bartsch darauf, die Prozesse zu unterbinden, die zu den verhängnisvollen Eiweißablagerungen führen. „Wir sollten aber keine raschen Wunder erwarten“, dämpft der Arzt vom UKSH zugleich übertriebene Hoffnungen. Immerhin gibt es aber Hinweise darauf, dass eine Antikörper-Therapie in der Lage sein könnte, den Krankheitsverlauf zu verzögern. Sollte das tatsächlich der Fall sein, wäre zum ersten Mal eine Behandlungsform gefunden, die wirkungsvoll an den Ursachen von Alzheimer ansetzt. Am Uniklinikum in Kiel laufen ebenfalls klinische Studien zu neuen Therapien. Ziel bei diesen Studien ist es, in besonders frühen Phasen oder sogar noch vor Auftreten erster Symptome – also praktisch als Vorbeugung – das Ausbrechen der Erkrankung zu verzögern. „Wir wissen heute, dass der Krankheitsprozess möglicherweise schon lange vor Auftreten der ersten Beschwerden begonnen hat“, meint Prof. Bartsch. Sollten bei der ursächlichen Behandlung von Alzheimer tatsächlich Erfolge erzielt werden können, würde nach Angaben von Prof. Bartsch aber immer noch gelten, was schon jetzt gilt: „Je früher wir die Krankheit erkennen, desto mehr können wir tun.“ Bei der Früherkennung werden verschiedene Puzzleteile zusammengesetzt. Dazu gehören die Beschwerden der jeweiligen Patienten, die Sicht der Angehörigen und Laborwerte aus dem Nervenwasser. Einen Sprung nach vorn könnte die Früherkennung außerdem durch innovative bildgebende Verfahren machen. Dank nuklearmedizinischer Methoden lässt sich nach neueren Studien Alzheimer deutlich schneller und exakter diagnostizieren.

Prof. Thorsten Bartsch ist Leitender Oberarzt in der Klinik für Neurologie und Demenzexperte.

Mit den aktuell bereits verfügbaren Medikamenten sollen durch das Absterben von Gehirnzellen hervorgerufene Veränderungen durch Botenstoffe korrigiert werden. Was umso besser funktioniert, je eher damit begonnen wird. Eine Heilung kann auf diese Weise derzeit nicht erreicht werden, wohl aber lässt sich das Fortschreiten der Demenz verzögern. Besonders gut klappt das nach den Erkenntnissen der Experten vom Uniklinikum, wenn körperliche Aktivität hinzukommt. Ganz ähnlich wie bei Parkinson sieht es davon abgesehen auch bei Alzheimer mit der Bedeutung von Vorbeugung aus. Viel Bewegung, eine gesunde Ernährung und ein geistig anregender Lebensstil bedeuten nach den Worten von Prof. Bartsch immer noch die beste Versicherung gegen diese Krankheit.

Gesundheit Anzeige - AOK übernimmt Kosten - Mit Osteopathie Selbstheilung fördern

KIEL. Immer mehr Patienten setzen neben konventionellen Therapien auch auf Osteopathie. Mit dieser Form der manuellen Behandlung sollen zum Beispiel Bewegungseinschränkungen gelöst werden.

16.03.2019
Gesundheit Anzeige - Das Herz des UKSH - Gesundheits- und Krankenpflege am UKSH

Die Pflege ist das Herz des UKSH. An den Campi Lübeck und Kiel arbeiten insgesamt rund 5400 Gesundheits- und Krankenpfleger. Voller Engagement und innerer Überzeugung betreuen und versorgen sie die Patienten Tag und Nacht im 3-Schicht-System.

16.03.2019

KIEL. Hautkrebs gehört zu den häufigsten Tumorarten. Größter Risikofaktor ist zu viel und zu starke UV-Strahlung. Rechtzeitig erkannt, ist Hautkrebs fast immer heilbar.

15.03.2019