Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Gesundheit Vormarsch der „digitalen Superknechte“
Mehr Gesundheit Vormarsch der „digitalen Superknechte“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Kurt-Semm-Zentrum für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie, Haus 18, Roter Platz Quelle: UKSH

Mitarbeiter als Knechte zu bezeichnen, das gehört längst nicht mehr zum guten Ton. In der Chirurgie kommt es allerdings wieder in Mode, denn bei immer mehr operativen Eingriffen wird der Roboter zum perfekten Knecht des Chirurgen oder der Chirurgin. An der Spitze der Bewegung steht deutschlandweit das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH).

„Es ist nicht der Roboter, der operiert, es ist nach wie vor der Chirurg“, weist Professor Klaus-Peter Jünemann alle Bedenken zurück, dass die hiesigen OP-Säle bald voll und ganz im Griff seelenloser Apparate sein könnten. Jünemann, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie und eine der treibenden Kräfte hinter dieser Digitalisierung, ist aber auch überzeugt: „Sogar der beste Chirurg der Welt wird mit Hilfe der Robotik noch ein Stück besser.“ Früh erkannt haben das die Verantwortlichen des UKSH, wo schon im Jahr 2013 mit dieser Technik begonnen und im Jahr 2015 das Kurt-Semm-Zentrum für laparoskopische und roboterassistierte Chirurgie gegründet wurde. Die laparoskopische oder Schlüsselloch- Chirurgie mithilfe von Robotern auf eine neue Stufe zu heben, war und ist das erklärte Ziel des sowohl in der Krankenbehandlung als auch in der Ausbildung und Forschung tätigen Verbunds. Los ging es mit diesen Operationen zunächst in Kiel, bald darauf war aber auch der Campus Lübeck mit an Bord. Und das mit einer bemerkenswerten Dynamik. Im Jahr 2017 vermeldete man den 1000. Eingriff mithilfe der roboterassistierten Chirurgie, inzwischen werden jedes Jahr aufs Neue 1000 solcher Operationen vorgenommen.

Aus guten Gründen, denn die Technik wartet mit zahlreichen Vorzügen auf. Der Chirurg steht bei seiner Arbeit nicht am Patienten, sondern sitzt an einer Konsole und steuert den Eingriff mithilfe eines dreidimensionalen und bis zu zwölffach vergrößerten Bildes vom jeweiligen Körperbereich. „Man hat das Gefühl, als stehe man im Patienten“, beschreibt Jünemann, warum in diesem Umfeld mit bislang unerreichter Präzision gearbeitet werden kann. Geschnitten wird genau dort, wo es nötig ist, verschlossen wird die Wunde mit extrem subtilen Nähten. Was nicht nur dank der herausragenden Optik möglich wird, sondern auch dank der handwerklichen Fähigkeiten der „chirurgischen Knechte“. Assistenzsysteme der aktuellen Generation verfügen über eine „Hand“, die gerade mal zwei Zentimeter groß ist und sich 560 Grad um ihre eigene Achse drehen kann. „So kleinteilig kann man als Mensch mit noch so viel Übung und noch so viel Talent nicht arbeiten“, betont Professor Jünemann.

Davon profitieren zuallererst diejenigen, die operiert werden müssen. Blutkonserven im Zusammenhang mit OP’s sind kaum noch nötig, weil die Wunden nur noch sehr klein sind und sehr exakt verschlossen werden. Auch sonst ruft die Technik eine erheblich geringere Zahl an Komplikationen hervor. Eine Analyse von 22.000 Eingriffen an Urologie-Patienten ergab, dass es bei herkömmlichen Verfahren in knapp 25 Prozent der Fälle nicht ganz nach Wunsch lief. Waren hingegen Roboter mit am Werk, so sank diese Quote auf zwölf Prozent.

Am UKSH wird mittlerweile auf breiter Basis mit dem Robotersystem Da Vinci operiert. Etwa in der Urologie, der Allgemeinchirurgie, der Gynäkologie, der Gefäßchirurgie, der Unfallchirurgie und sogar in der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, wenn in wenigen Monaten die noch einmal erheblich flexibleren Roboter der neuesten Generation kommen. Bevorzugt eingesetzt werden die digitalen Superknechte bei Tumoroperationen, weil es dort besonders auf Exaktheit und möglichst geringe Nebenwirkungen ankommt. Beste Erfahrungen gibt es aber auch bei weniger gravierenden Leiden wie Blasensenkung oder gutartiger Prostatavergrößerung. Und selbst Allerwelts-Malheurs wie ein Schienbeinbruch werden zum echten Thema für den Roboter. Geht es zum Beispiel darum, künstlichen Knochenersatz einzufügen, macht es niemand so exakt wie dieser Helfer.

Eine zentrale Rolle in diesem hochinnovativen Bereich spielt übrigens immer wieder die klassische medizinische Disziplin der Anatomie. Neue Verfahren des robotergestützten Operierens üben die Chirurgen regelmäßig an Körperspendern.

Ein UKSH, zwei Campi, eine Architektur. Was erst eine Vision war und dann ein ehrgeiziger Plan, wird bald Wirklichkeit. In wenigen Wochen werden nach nur vierjähriger Bauzeit die zentralen Gebäude an beiden Standorten fertiggestellt sein. Gefeiert wird das am 16. August dieses Jahres in Kiel und am 8. November in Lübeck.

12.03.2019
Gesundheit Anzeige - Besondere Mehrleistungen - Rundum gut versorgt in der Schwangerschaft

KIEL. Mit der Schwangerschaft beginnt für werdende Mütter eine aufregende Zeit, die aber auch mit vielen Fragen verbunden ist. Rat und Hilfe bieten Hebammen, Ärzte und die gesetzlichen Krankenkassen mit umfassenden Leistungen rund um die Schwangerschaft, Geburt und die Zeit danach.

11.03.2019
Gesundheit Anzeige - Mit Spaß aktiv werden. - Beim Laufen besser Funktionskleidung tragen

Regelmäßige sportliche Aktivitäten können Wohlbefinden und Fitness verbessern. Die AOK-Kurse unterstützen dabei, mit Spaß aktiv zu werden.

11.03.2019