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KN hilft Leben retten Jochen Schweder überlebte dank Herzdruckmassage
Mehr KN hilft Leben retten Jochen Schweder überlebte dank Herzdruckmassage
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21:53 24.02.2017
Von Heike Stüben
Jochen Schweder aus Kiel: „Ich verdanke mein Leben dem Wissen und beherzten Eingreifen anderer. Deshalb sind solche Kurse wichtig.“ Quelle: Frank Peter
Kiel

Gerade einmal 51 Jahre alt war der durchtrainierte Kieler, als es passierte. „Ich war an dem Tag mit meinem Sohn bei einem Arbeitseinsatz beim SCFortuna Wellsee. Wir waren auf dem Tennisplatz beschäftigt, als etwas in meinem Körper passierte. ,Es geht mir nicht gut’, habe ich noch zu meinem Sohn gesagt. Was dann passiert ist, erinnere ich nicht mehr“, berichtete Jochen Schweder. Später erfuhr er: Er ging noch bis zu seinem Auto, setzte sich auf den Fahrersitz und sackte über dem Lenkrad zusammen. „Meine Hausärztin Dr. Spiegel und ihr Mann, ebenfalls Vereinsmitglieder, haben mich zufällig beobachtet und sofort reagiert. Sie haben so lange mein Herz mit Druck massiert und mir Atemspenden gegeben bis der Rettungsdienst da war.“ Sechs Wochen lag Jochen Schweder im künstlichen Koma. „Dass ich heute hier sitze, keine Einschränkungen habe, sogar wieder Sport machen kann, das verdanke ist meiner Ärztin, ihrem Mann und auch der guten Behandlung danach in der Uniklinik“, erzählte Schweder.

 Niemand hätte die Botschaft der Aktion „Leben retten!“ besser vermitteln können: Es kann jederzeit passieren! Und: Schnelle Hilfe kann den Toten ins Leben zurückholen. „Die Vorstellung, es bricht jemand neben mir zusammen und ich weiß nicht, was zu tun ist, erschreckt mich. Da hat mich die KN-Aktion wirklich wach geküsst“, sagte Inge Schmidt. Die Kielerin war wie die übrigen 29 Kursusteilnehmer hoch motiviert. „Doch dieses Bewusstsein ist leider viel zu wenig verbreitet“, erklärten die Kursleiterinnen Jessika Popp und Saskia Greiner vom Institut für Rettungs- und Notfallmedizin am Uniklinikum Kiel. Die Gründe, so waren sich die Teilnehmer einig, sind eine verbreitete Gleichgültigkeit, aber auch die Angst, etwas falsch zu machen, dem Patienten gar zu schaden und dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden. Zumindest diese Angst konnte Jessika Popp den Teilnehmern nehmen: „Kein Ersthelfer muss etwas befürchten. Und wenn Sie versehentlich ein schlagendes Herz mit Herzdruckmassage bearbeiten, dann passiert nichts – außer, dass der Betroffene sie anschreien und sich wehren wird.“

 Der Helfer muss erheblicher Druck auf das Herz üben, damit das Blut und damit der Restsauerstoff noch bis ins Gehirn befördert und damit eine Wiederbelebung ermöglicht wird – und zwar ohne schwere Folgeschäden. Wie wichtig dabei das Tempo und die Drucktiefe sind, konnten die Teilnehmer selbst ausprobieren. Denn wie in allen Kursen „Leben retten!“ bekam auch diesmal jeder Teilnehmer ein Info-Paket mit Übungspuppe und CD geschenkt. „Das muss man schon selbst gemacht haben, um sich das im Ernstfall zu trauen und alles in der richtigen Reihenfolge zu machen“, fand nicht nur Ulrike Stein aus Lütjenburg. Nicht nur sie will dieses Wissen weitergeben: „Ich habe Freunde zum Essen eingeladen. Bevor sie etwas bekommen, müssen sie Wiederbelebung üben.“

 Einen besonderen Applaus gab es für Birgit Peters, Abteilungsleiterin bei der Ferring Arzneimittel GmbH. Das Kieler Unternehmen, das sich immer wieder sozial in der Region engagiert, hatte nicht nur die Kosten für den Kursus bezahlt, sondern auch für den Raum im Hotel Steigenberger und die Getränke gesorgt.

Infos zur Aktion

Alle Informationen zu "KN hilft Leben retten!" finden Sie hier.

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