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KN hilft Leben retten Beim Tanz blieb das Herz stehen
Mehr KN hilft Leben retten Beim Tanz blieb das Herz stehen
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08:00 13.09.2018
Von Heike Stüben
Niels Drenckhahn (vorne) verdankt dem beherzten Eingreifen von Dr. Dagmar Steppat (4. von links) und ihren Helfern (von links) Michael Staack, Claudia Kolls, Pascal Ströh, Thomas Friedrichsen und Anke Sell sein zweites Leben. Quelle: Frank Peter
Ottendorf

Niels Drenckhahn hat nie geraucht, hat kein Übergewicht, war immer in Gang. „Ich hatte eigentlich keine Risikofaktoren. Ich hatte einfach Pech“, sagt der 56-Jährige heute. Doch dann räumt er ein: „Beruflich war das damals eine extrem stressige Zeit.“ Der Datenverarbeitungskaufmann arbeitet im Einzelhandel, immer wieder schwebt das Damoklesschwert der Entlassung über ihm. „Diese zermürbende Unsicherheit, das alltägliche Erleben, nicht alle Kunden gleichzeitig beraten zu können, die Arbeitszeiten – das alles habe ich wohl unterschätzt.“

"Alles fiel von mir ab"

An jenem 12. November 2016 hat er zwei besonders stressige Wochen hinter sich. Nach der Arbeit eilt er nach Hause, um mit seiner Frau rechtzeitig bei der Feier eines Freundes sein zu können. „Dort fiel alles von mir ab.“ Der 54-Jährige isst ausgiebig und tanzt ausgelassen.

Gegen 22.30 Uhr sackt er plötzlich beim Tanzen in sich zusammen. „Ich war wie paralysiert“, erinnert sich seine Frau, Ulrike Hausmann-Drenckhahn. Zum Glück sind Menschen vor Ort, die wissen, was zu tun ist.

Seine Tanzpartnerin reagiert sofort

Die befreundete Ärztin Dr. Dagmar Steppat erfasst die Situation sofort, verteilt die Aufgaben: Einer muss das Hemd von Niels Drenckhahn aufreißen, damit die Ärztin mit der Herzdruckmassage beginnen kann. Eine Arzthelferin gibt den Takt vor,  die Leiterin der Herzsportgruppe übernimmt das Beatmen. Ein Gast holt aus dem Dorfgemeinschaftshaus den Defibrillator, ein anderer wartet vor der Tür mit einer Taschenlampe auf den Rettungsdienst. Später wird der Notarzt sagen: "Diese Erstversorgung war vorbildlich."

Der lange Weg zurück

Doch Niels Drenckhahn ist noch lange nicht über den Berg. Noch in der Nacht werden ihm drei Stents gelegt, dann wird er ins künstliche Koma versetzt. In den kommenden Wochen muss er eine Lungenentzündung überstehen, es bekommt einen Luftröhrenschnitt, später in einer OP zwei Bypässe. Nach der Reha vergehen Monate, dann steht fest: Er muss einen Defibrillator eingesetzt bekommen.

Ostern 2018 kann er tatsächlich wieder arbeiten. Dann ein Rückschlag: Als er an einen Sonnabend auf der Leiter steht, löst der Defibrillator aus. Es ist nur ein Fehlalarm. „Doch das Vertrauen ist dadurch beschädigt“, sagt er und betont, wie wichtig in all der Zeit seine Frau für ihn gewesen ist. Dankbar ist Niels Drenckhahn auch seinen Chefs, Kollegen und vor allem den Freunden, die seiner Frau zur Seite gestanden haben.

Engagement für "Leben retten!"

Im August hat sich Niels Drenckhahn deshalb mit einer Geburtstagsfeier bei seinen Freunden bedankt und anstelle von Geschenken um Spenden gebeten - für die Aktion „Leben retten!“. „Schon in der Reha haben wir beschlossen, dass wir, wenn alles überstanden ist, dafür Geld sammeln wollen.“ Die Idee stößt auf große Resonanz: 1100 Euro sind zusammengekommen – damit wird im November 2018 ein Kurs in Ottendorf finanziert. Damit noch mehr Menschen zu Rettern werden können.

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