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Christian Hiersemenzel zum Zoo-Besuch

Kommentar Christian Hiersemenzel zum Zoo-Besuch

Rein formal kann man weder dem Innenminister noch der Polizeiführung einen Vorwurf machen. Schleswig-Holsteins Landespolizei will unbestechlich sein und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie die Prinzipien, wonach es sich schon bei kostenlosen oder verbilligten Tickets in den Zoo oder zum Konzert um einen Bestechungsversuch handeln könnte, besonders strikt auslegt.

Wer wollte sich zunächst über diese konsequente Haltung beklagen? Während in vielen Ländern dieser Welt Korruption zum Alltag gehört, dürfen wir in Deutschland getrost davon ausgehen, dass Bestechungsfälle die Ausnahme bleiben.

Und doch muss sich Schleswig-Holsteins Innenminister Hans-Joachim Grote fragen lassen, ob der kostenlose Eintritt in den Neumünsteraner Tierpark oder ein Sonderkonzert der Hamburger Elbphilharmonie tatsächlich in die Kategorie geldwerter Vorteile gehört. Und ob man nicht viel stärker würdigen muss, dass sich beide Einladungen an Landesbeamte richteten, die sich zum G-20-Gipfel in Hamburg besonderen Gefahren ausgesetzt haben.

Dass diese Anerkennung, getragen von unserer gesamten Gesellschaft, angeblich trotzdem nicht angenommen werden darf, macht den Fall zum Politikum. Zumal ihn zwei Nachbarländer unterschiedlich beurteilen: Hamburg nimmt in Kauf, dass Schleswig-Holstein knickerig aussieht. Was nicht ganz von der Hand zu weisen ist: Kiel hat es sich mit seiner Grundsatzentscheidung allzu einfach gemacht.

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