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Christian Hiersemenzel zur Klotz-Architektur

Kommentar Christian Hiersemenzel zur Klotz-Architektur

Schleswig-Holstein steht am Scheideweg. Viele Häuser sind in die Jahre gekommen und werden abgerissen, sobald die Besitzer gestorben sind und ihre Nachfolger entdecken, dass ein Neubau ungleich lukrativer ist.

Das aber verändert unsere Städte und Dörfer, und Investoren sind leider meist bemüht, auf möglichst wenig Fläche möglichst groß zu bauen – auch auf die Gefahr hin, dass sie damit das alte Ortsbild empfindlich stören, wenn nicht sogar zerstören. Man muss nicht altmodisch sein, um diese Entwicklung zu kritisieren. Hinzu kommt die seltsam eintönige Gestaltung: Natürlich baut man 2018 anders als 1908, und das ist vollkommen gut so, alles andere wäre Kitsch. Aber viele Häuser wirken so, als kämen sie aus der Retorte: Sie sind nicht nur schmuck-, sondern auch auf den zweiten Blick gesichtslos. Man könnte sogar sagen geschichtsvergessen.

 Emotional aufgeladen ist das Thema deshalb, weil dieses Geklotze unsere Umgebung nachhaltig verändert. Wenn wir uns der Verantwortung dafür stellen, dass Norddeutschland seinen Charakter nicht einbüßen darf, müssen wir Gemeinde- und Stadtvertreter stärker in die Pflicht nehmen. Sie dürfen sich nicht davor drücken, Einfluss auf Bebauungs- und Gestaltungspläne zu nehmen und darauf zu achten, dass Neubauten zumindest die alten Dimensionen vor Ort respektieren. Wenn das Land dann noch den Architektennachwuchs in Ästhetik ausbilden würde, bestünde ein wenig Hoffnung.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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