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Meinungen Christian Longardt zu Olympia in Kiel
Mehr Meinungen Christian Longardt zu Olympia in Kiel
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07:00 28.11.2015
Von Christian Longardt

Dann steht definitiv fest, ob Hamburg und Kiel als Tandem weiter um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2024 kämpfen. Ob das Duo bis 2017 mit Metropolen wie Paris und Los Angeles, Rom und Budapest den Wettstreit um die Gunst des IOC wird fortsetzen können. Oder ob für Deutschlands Sportler der Traum jäh endet, in neun Jahren hinter der schwarz-rot-goldenen Flagge ins Olympiastadion auf der Elbinsel Grasbrook einzumarschieren. Ein Nein, das wäre ein Fiasko für den deutschen Spitzensport.

Nun gibt es fraglos wichtigere Themen, die die Welt derzeit beschäftigen. Krieg und Terror, Flucht und Flüchtlinge, Hunger und Armut, das alles ist bedeutsamer, wer will das bestreiten? Dies aber ist gerade die Trumpfkarte, die die Olympia-Befürworter in der aktuellen Gemengelage ausspielen: Was, fragen sie mit einigem Recht, könnte denn besser zur Völkerverständigung beitragen als der faire, friedliche Wettkampf von jungen Sportlern aus allen fünf Kontinenten? Das ist und bleibt der lebendige Kern der olympischen Idee – trotz aller Kommerzialisierung, trotz des Milliardengeschäfts multinationaler Konzerne, trotz erwiesener Korruptionsfälle rund um die Vergabe der Spiele. Hinzu kommt die Faszination und Zugkraft der olympischen Tradition und ihrer Symbole: Ringe, Fackel, Flamme, das kennt weltweit jedes Kind.

Gäbe es eine Goldmedaille für Olympia-Begeisterung, Hamburg und Kiel hätten sich die Auszeichnung verdient, so oder so. In beiden Städten sind sehr viele Menschen tatsächlich Feuer und Flamme, im Hamburger Stadtpark haben Tausende die Ringe gebildet, an der Förde gab es so viele Aktionen, dass es schwer fällt, einzelne hervorzuheben. Kiel und Hamburg waren wohl selten so nah beieinander wie in den vergangenen Wochen, OB Ulf Kämpfer und Amtskollege Olaf Scholz mühten sich tagaus, tagein, Skeptiker ins Boot zu holen. Image, Investitionen, Infrastruktur, ein kräftiger Schub für die ganze Region: allerbeste Argumente – doch das Misstrauen gegenüber der Kostenkalkulation ließ sich nie ganz beseitigen.

So blieben die Finanzen bis zuletzt die Achillesferse der Kampagne. Alle Risiken inklusive Inflation eingepreist zu haben, das haben schließlich schon viele behauptet. Warum sollten ausgerechnet beim Riesenprojekt Olympia die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, fragen die Kritiker und erreichen damit eben nicht nur die Nein-Sager von Linksaußen. Es war deshalb klug, dass die Ratsversammlung in Kiel eine Art Wiedervorlage ins Verfahren eingebaut hat: Sollten die Kosten um mehr als 25 Prozent steigen, müssen die Bürger erneut abstimmen, so ist es vereinbart. Ob diese Beruhigungspille reicht, wird man sehen. Sonntagabend, wenn ganz Deutschland in den Norden blickt.

Kommentare
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Am Ende ist die Aussage ganz schön bitter: Heimbetreiber in Schleswig-Holstein können bislang schalten und walten, ohne von der Aufsicht gestoppt zu werden – und seien ihre pädagogischen Methoden auch noch so fragwürdig. Das Gutachten, das der Koblenzer Pädagogik-Professor Schrapper am Freitag exklusiv den Medien präsentierte, spielt den Ball vom Sozialministerium direkt in die Politik hinüber – dorthin, wo seit Monaten das Geschrei um politische Verantwortlichkeiten besonders groß ist.

Christian Hiersemenzel 27.11.2015

Schneller, höher, weiter – im Kulturbetrieb gelten andere Rekordkriterien. Theater soll sein Publikum verwöhnen, aber auch fordern. Theater soll gefällig sein, aber auch provozieren. Die Mischung macht’s. Unter dem Kieler Führungsteam, wir zählen zu Generalintendant Daniel Karasek, GMD Georg Fritzsch und dem Kaufmännischen Direktor Jörn Sturm hier mal ausdrücklich auch den Operndirektor Reinhard Linden dazu, stimmt der Mix.

Konrad Bockemühl 27.11.2015

Als sich Deutschland nach den Terroranschlägen von Paris ohne Wenn und Aber an die Seite Frankreichs stellte, war man sich der Konsequenzen bewusst: Ja, Solidarität bedeutet in diesem Fall auch die Bereitschaft, mit in den Krieg zu ziehen.

Jörg Kallmeyer 26.11.2015