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Christian Longardt zur Diesel-Debatte

Kommentar Christian Longardt zur Diesel-Debatte

Selten zuvor hat ein Funktionsträger der eigenen Branche in aller Deutlichkeit so deutlich die Leviten gelesen wie Kfz-Obermeister Hans W. Hansen. Seine herbe Kritik an Herstellern und Politik und seine Lösungsideen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie von einem Fürsprecher der Dieseltechnologie kommen.

 Daran mangelt es in der aufgeheizten und extrem ideologisch geführten Debatte um Schadstoffgrenzwerte und Fahrverbote: An Stimmen, denen man trauen mag, an Querdenkern, die ihre Bastion verlassen, und an der nötigen, mit Sachkenntnis vorgetragenen Differenzierung.

Der Streit ums Auto ist hoch emotional, das Thema komplex und sehr technisch, die Information oft interessengeleitet. Und Statistiken helfen nur bedingt: Was nützt es den Kielern, dass sich die Stickoxid-Emissionen deutscher Neuwagen seit 2013 halbiert haben, wenn am Theodor-Heuss-Ring der Grenzwert so klar überschritten wird? Wer in der Dieselkrise die eine Wahrheit sucht, läuft Gefahr, sich zu verirren.

Tun wir also nicht so, als sei alles ganz einfach. Verteufeln wir nicht die Dieselfahrer, aber zollen wir auch denen Respekt, die sich nach ökologischeren Autos umsehen. Hören wir Andersdenkenden zu. Der Druck auf dem Kessel ist schon groß genug: Kiel muss schleunigst etwas tun, um das Fahrverbot zu verhindern. Und die Industrie muss ehrlich in Vorleistung gehen, um Vertrauen zurückzugewinnen.

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Ein Artikel von
Christian Longardt
Chefredakteur

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