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Christian Longardt zur SPD-Eintrittswelle

Kommentar Christian Longardt zur SPD-Eintrittswelle

Schon 2013 hat die SPD, als erste Partei in Deutschland, alle ihre Mitglieder über den Koalitionsvertrag mit der CDU abstimmen lassen. Das klingt urdemokratisch – aber ist es das auch?

Auch damals wurde bereits Kritik laut, ein solches Vorgehen höhle die parlamentarische Demokratie aus: Weil nicht die von Millionen Deutschen gewählten Abgeordneten über die Regierungsbildung entscheiden, sondern eine viel geringere Zahl von Parteigenossen. Aus guten Gründen flammt die Diskussion nun wieder auf. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Zukunft von Kanzlerin Angela Merkel. Die wundersame Mitgliederentwicklung bei der SPD gibt da schon zu denken.

Natürlich ist es legitim, dass die GroKo-Gegner nach dem knappen Votum des SPD-Bundesparteitags versuchen, innerhalb der Partei maximal zu mobilisieren. Aber außerhalb? Angesichts der sprunghaft gestiegenen Zahl roter Parteibücher bekommt die No-GroKo-Kampagne der Jungsozialisten einen unangenehmen Beigeschmack. Es spricht wenig dafür, dass ganz plötzlich Tausende in der Republik ihre Leidenschaft für das SPD-Programm entdeckt haben. Die Mehrzahl der Neumitglieder wird vor allem ein Motiv haben: für ein paar Euro Monatsbeitrag Merkel stürzen und eine uninspirierte Weiter-so-Politik beenden zu können. Dabei gleich noch einen schwachen SPD-Chef zu demontieren, dürften viele als willkommenen Nebeneffekt betrachten.

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Ein Artikel von
Christian Longardt
Chefredakteur

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