Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Meinungen Christian Longardt zum CDU-Vorsitz
Mehr Meinungen Christian Longardt zum CDU-Vorsitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:15 31.10.2018
Von Christian Longardt
Christian Longardt ist Chefredakteur der Kieler Nachrichten. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Wer die Christlich-Demokratische Union in der Nach-Merkel-Ära führen wird und wohin, ist ergo eine entscheidende Zukunftsfrage, weit über den Hamburger Parteitag im Dezember hinaus.

Drei Namen stehen bisher auf der Bewerberliste, jeder hat ganz eigene Qualitäten.

Annegret Kramp-Karrenbauer darf derzeit als Favoritin gelten, sie genießt in der CDU große Beliebtheit. Ihr nüchterner, pragmatischer Stil erinnert stark an Merkel. Dies und die Tatsache, dass AKK von der Kanzlerin protegiert wird, sind aber auch gewichtige Nachteile im Rennen um die Delegiertenstimmen. Kramp-Karrenbauer wird starke eigene Akzente setzen müssen, um nach innen und außen klarzumachen, dass sie nicht für ein „Weiter so“ steht, sondern wirklich für Veränderung.

Der Jüngste im Trio macht als Gesundheitsminister bisher eine passable Figur. Jens Spahn ist der Held der Jungen Union, Ehrgeiz und Elan sind sein großes Plus. Die unverhohlene und mitunter als schamlos empfundene Kritik an Merkel hat aber den Ruf eines Karrieristen begründet, dessen charakterliche Eignung für die Parteiführung oder sogar mehr erst noch zu beweisen wäre. Ungünstig für ihn, dass es mit Friedrich Merz einen zweiten Bewerber vom rechten Unionsflügel gibt. Dass der Politik-Aussteiger Merz schon am Tag der Merkel-Verkündung wie Kai aus der Kiste wieder auftauchte, hat viele verstört. Ihm aber bloße Rachegelüste zu unterstellen, greift zu kurz. Merz trifft den Ton, den Konservative in der CDU sehr lange vermisst haben.

Deutschland ist ein tief gespaltenes Land, und daran hat Angela Merkel bei allen Verdiensten unzweifelhaft ihren Anteil. Der oder die Neue an der CDU-Spitze sollte nicht nur fähig sein, die Partei zu einen, sondern auch Kraft und Willen aufbringen, bürgerlich-konservativen Wählern ein neues Angebot zu machen. Merkel hat die CDU so weit in die Mitte geführt, dass rechts davon viel Platz entstanden ist. Die Union kann noch froh darüber sein, dass sich die sogenannte Alternative für Deutschland durch nationalistische, offen rassistische Ausfälle selbst disqualifiziert und für viele Wertkonservative unwählbar gemacht hat – nicht auszudenken, welches Potenzial eine gemäßigter auftretende AfD haben würde.

Für die neue Rechte bricht durch den Rückzug der Hass-Figur Angela Merkel ein wesentlicher Mobilisierungsfaktor weg. Das bedeutet aber nicht, dass die CDU verloren gegangene Wählerstimmen automatisch zurückgewinnt. Umso drängender stellt sich für Kramp-Karrenbauer, Merz, Spahn oder wen auch immer im Adenauer-Haus die Aufgabe, die Partei behutsam auf einen neuen Kurs zu bringen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Mitarbeiter der Buwog AG sind Veränderungen gewohnt. Nur allzu oft haben sie sich auf einen neuen Eigentümer einstellen müssen, seit sich das Land von seinen eigenen Wohnungsbeständen ab 2004 getrennt hat. Die betroffenen Mieter nennen das „verscherbeln“.

Heike Stüben 30.10.2018

Der Name „Pallas“ steht an der deutschen Nordseeküste bis heute für die schlimmste Ölpest seit dem Krieg. Auch wenn Bergungsexperten angesichts der Menge von 100 Tonnen Öl im Vergleich zu den weltweit sonst austretenden Mengen die Stirn runzeln, war die Wirkung für deutsche Verhältnisse verheerend.

Frank Behling 29.10.2018

Erst der Onkel, jetzt der Bruder. Verkommt Schleswig-Holstein unter Ministerpräsident Daniel Günther zu einem Land der Vetternwirtschaft? So schlimm ist es nicht. Aber die zweite Familiengeschichte innerhalb weniger Tage kann dem Regierungschef nicht schmecken.

Bodo Stade 28.10.2018