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Christian Trutschel zum Medikamenten-Mangel

Kommentar Christian Trutschel zum Medikamenten-Mangel

Gesundheitspolitiker in Land und Bund, die immer noch meinen, Engpässe bei der Lieferung von Arzneimitteln seien bloß Einzelfälle, schätzen das Problem völlig falsch ein. Es liegt in ihrer Verantwortung, sich um die Versorgungssicherheit der Bevölkerung schon dann zu kümmern, wenn es Anzeichen für künftige Gefahren gibt. Und die gibt es.

Jeder Apotheker, ob freiberuflich oder im Universitätsklinikum und anderen Krankenhäusern der Region tätig, kann sofort Beispiele nennen. Eine ziemlich lange Liste aktuell nicht lieferbarer Arzneimittel hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ins Netz gestellt. Noch etwas länger sind die Engpass-Listen der Einkaufsgemeinschaften, mit denen sich Kliniken über die Runden retten. Alle Versorgungsakteure betonen, sich stets und mit Erfolg um alternative Mittel zu bemühen. Doch ein schlechter wirksames Antibiotikum ist nun einmal keine vollwertige Alternative.

Mehr als 80 Prozent der in Deutschland verwendeten Wirkstoffe stammen heute entweder aus China oder aus Indien – aus zwei Ländern also, die mit staatlichen Subventionen, geringen Umwelt- und Sicherheitsauflagen und auch niedrigen Lohnkosten die Weltmarktführerschaft anstrebten. Fällt ein großer Produzent dort aus, entsteht hier ein Engpass. Politik und Krankenkassen reden sehr viel über Preise, Zuschläge und Rabatte. Das ist wichtig. Aber darüber die Arbeit an einer wirksamen Lösung des Problems der Lieferengpässe zu vernachlässigen, wäre fahrlässig.

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