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Meinungen Dirk Schmaler zur VW-Affäre
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21:18 22.09.2015
Von Dirk Schmaler

Manchmal etwas langweilig und bürokratisch, dafür aber von einer derart grundsoliden DNA, dass selbst ein aufgedrehter Weltmarkt und der Anspruch, der „weltgrößte“ Autohersteller zu werden, dieses Unternehmen nicht aus der Kurve tragen könnten. Spätestens seit Dienstag ahnt man, dass dies ein Trugschluss gewesen sein könnte.

Volkswagen hat sich vom Volkstümlichen entfernt. Ist die Seriosität des größten Autobauers Europas zumindest zu einem Teil nicht mehr als eine geschickte PR-Strategie? Ist der grüne Anstrich nicht mehr als eine Marketingkampagne? Wenn es darum geht, weltweit neue Absatzmärkte zu erschließen oder alte zu verteidigen, spielen die Wolfsburger oft genug nach ihren eigenen Regeln. VW-Manager treten im Ausland nicht weniger fordernd auf als Vertreter anderer großer Konzerne aus Deutschland. Und Umweltstandards wie geringere Abgaswerte spiegelt VW lieber durch betrügerische Software im Motor vor, statt tatsächlich den Abgasausstoß zu drosseln. Elf Millionen Fahrzeuge haben die Wolfsburger mit dem Betrugsprogramm ausgerüstet. Elf Millionen Kunden wurden beim Autokauf also belogen. Mit krimineller Energie und ausgefeilter Planung haben die Wolfsburger auch die Behörden betrogen. Strafen, Schadensersatzansprüche und Absatzrückgänge werden das Geschäft noch lange belasten.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, der sich immer wieder gern selbst als oberster VW-Ingenieur und Technikfreak inszenierte, muss für dieses Stück deutscher Manipulationskunst in seinem Unternehmen die Verantwortung übernehmen. Eine Entschuldigung wird nicht reichen – es muss aufgeklärt werden, wer von der Betrugssoftware wusste. Der Automanager, der im Machtkampf mit Ferdinand Piëch vor einigen Wochen gerade erst die Probe seines Lebens erfolgreich überstanden hatte, droht nun ausgerechnet über sein Spezialgebiet zu stolpern: eine technische Finesse.

Man muss Unternehmen nicht mit moralischen Kategorien kommen, so wie man Moralphilosophen selten für Umsätze und Gewinne begeistern kann. Und doch ist es ein grundlegendes Problem, wenn deutsche Großunternehmen immer häufiger ethische Fragen oder auch nur gesetzliche Regeln erst zur Kenntnis nehmen, wenn die Ermittlungsbehörden vor der Tür stehen.

Korruptionsskandale bei Siemens und Daimler, Zinsmanipulationen und zwielichtige Hypothekengeschäfte bei der Deutschen Bank zeugen davon. Es wird höchste Zeit, den „Global Playern“ aus Deutschland strenger auf die Finger zu schauen, statt sich nur über Wettbewerbsfähigkeit und Umsatzrekorde zu freuen. Das würde die Kunden schützen – und letztlich auch die Konzerne selbst.

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Vertrauen, davon ist man bei VW offiziell überzeugt, entscheidet in unserer Zeit über wirtschaftlichen Erfolg. Wenige Konzerne haben das so früh erkannt und so konsequent nach außen verkauft wie Volkswagen. Allerorten ist von Verantwortung die Rede, der Wolfsburger Konzern engagiert sich für Umwelt und Gesellschaft – will nicht nur groß, sondern auch gut sein.

Stefan Winter 22.09.2015

Sie ist wieder dort gelandet, wo sie in der Eurokrise schon einmal stand: Angela Merkel ziert zu Wochenbeginn die Titelseiten aller großen Magazine. Mal als Mutter Teresa, mal als großes Denkmal ganz in Gold, verbunden mit der bangen Frage: „Schafft sie das?“

Jörg Kallmeyer 22.09.2015

Mit der Anklage gegen die 91-jährige Frau aus Neumünster, der vorgeworfen wird, in 260 000 Fällen in Auschwitz Beihilfe zum Mord geleistet zu haben, wird wieder die Frage gestellt: Ist es richtig, einen „so alten Menschen“ (Neumünsters langjähriger CDU-Chef Herbert Möller) anzuklagen? Ja, das ist es. Mord und Völkermord verjähren nicht.

Jörn Genoux 21.09.2015
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