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Meinungen Gerhard Müller zum Jahreswechsel
Mehr Meinungen Gerhard Müller zum Jahreswechsel
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10:00 31.12.2017
Von Gerhard Müller
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Was bedeutet das am Ende eines Jahres, das Deutschland gottlob von Anschlägen verschonte, nicht aber von einer sonderbaren Regierungssondierung, von Verbraucher verunsichernden Diesel-Debatten oder peinlichen Hängepartien bei Großprojekten?

Wer weder arbeitslos ist noch unter Altersarmut leidet, wer sich einer gewissen Gesundheit erfreut und an einer intakten Familie, der hat in unserem Staat im Grunde nicht viel zu klagen. Gemeckert wird eher über Begleiterscheinungen, die keinem persönlichen Einfluss unterliegen: das Wetter, die Deutsche Bahn oder angeblich zu viele Ausländer. Doch sind es andere Entwicklungen, schleichende Prozesse, die unser Leben verändern und noch viel gravierender verändern werden.

Gegen technologischen Fortschritt ist absolut nichts zu sagen. Dass Waschmaschinen die einstige schwere Handarbeit ablösten, ist ein Segen, keine Frage. Die Frage lautet stattdessen, ob mit der digitalen Revolution einhergehende Eingriffe in die Lebenswirklichkeit als gegeben hingenommen werden sollten. Einparkhilfen in Autos mögen bequem sein, sie mindern aber die Auge-Hand-Koordination. Navigationsgeräte erleichtern die Wegfindung, aber sie gehen zu Lasten der Orientierungsfähigkeit. Die Nutzung von Handys lässt die Handschrift ungelenker werden. Wer die Standheizung in seinem SUV per App aktiviert statt zum Bäcker zu radeln, schadet der Umwelt. Der digitalaffine Bürger, geschickt gelenkt von Google und Facebook, besitzt einen Rasenroboter und einen Roboterstaubsauger und freut sich über den Zeitgewinn. Diese Zeit verbringt er dann häufig sitzend vor dem Computer, um online Kleidung oder Lebensmittel zu bestellen. Noch nicht einmal ins Restaurant muss man mehr gehen; wer Lust auf Pizza oder ein Drei-Gänge-Menü verspürt, lässt liefern. Und wer einen Partner kennenlernen möchte, zieht nicht mehr in die Disco, sondern klickt sich durch Dating-Portale. Sinnlichkeit? Von gestern! Bewegung? Überflüssig! Dabei gilt körperliche Aktivität für Jung wie Alt als Nahrung fürs Gehirn, förderlich für kognitive und motorische Fähigkeiten.

Das digitale Dasein mag für viele sinnvoll sein, Homeoffice statt Büro gilt als familienfreundliche Variante des Arbeitslebens. Andererseits verkümmern die Sinne. Wer mit Alexa oder Siri spricht, kommuniziert eingleisig. Bücher kann man auf dem Tablet nicht anfassen, Obst bei Amazon Fresh nicht probieren und das Parfum eines potenziellen Partners nicht bei Parship riechen. Wir sollten über einen Sinneswandel nachdenken, jeder für sich. Die buchstäblich eigensinnige Antwort auf diese Sinnfrage wäre vielleicht auch gut fürs große Ganze.

Kommentare
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Ja, mit dieser Aussage kann man sich unbeliebt machen, aber: Wer beim zu schnellen Fahren geblitzt wird, der zahlt seine Strafe zurecht. Denn auch in Schleswig-Holstein werden Blitzsäulen und mobile Geräte dort aufgebaut, wo es keine zu große Einschränkung der Lebensqualität bedeutet, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten.

Niklas Wieczorek 30.12.2017

Silke war die Klassenbeste, hatte dank eines Stipendiums ein Schuljahr in den USA absolviert, engagierte sich sozial und gab bereitwillig auch Mitschülerinnen Nachhilfe. Eine dieser Mitschülerinnen war ich. Wie arm Silkes Familie war, bekam ich erst mit, als sie mich zum ersten – und einzigen Mal – zu sich nach Hause einlud.

Martina Drexler 29.12.2017

Uns geht es wohl zu gut. Wie sonst ist zu erklären, warum sich in den Industrienationen immer mehr Menschen – mit ihrer Wählerstimme – zu einer Vorwärts-Verteidigung ihres Wohlstands genötigt sehen? Bewahren durch Abschotten heißt die oberste Direktive.

Oliver Hamel 28.12.2017
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