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Meinungen Hamburg und der falsche Geist
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11:19 08.07.2017
Von Christian Longardt
Foto: KN Chefredakteur Christian Longardt Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Radikale, sinnlose, blinde Gewalt – Innensenator Andy Grote hat mit dieser Zusammenfassung nicht übertrieben. Brennende Autos links und rechts der Straßen, schwarz vermummte Randalierer, die mit Hammern bewaffnet blindwütig Scheiben einschlagen, behelmte Polizeibeamte, die in Hofeinfahrten Schutz suchen vor dem Steine werfenden linken Mob – die Videos, mit Smartphones gedreht, erinnern an einen Bürgerkrieg. Dieser Hass macht sprachlos. Es war richtig, bei der „Höllen“-Demo konsequent gegen den schwarzen Block vorzugehen. Denn im Anschluss wurde überdeutlich, wozu die Maskierung dient: um unerkannt Straftaten zu begehen. Wer nach den schockierenden Bildern extremer Gewalt noch immer davon redet, die Polizei habe die Lage bewusst eskalieren lassen, dem ist nicht zu helfen. „Welcome to Hell“, welch zynisches Motto angesichts der vielen verletzten Polizisten. Die linken Randalierer diskreditieren das Anliegen all jener wohlmeinenden Demonstranten, die die Mächtigen der Erde mit großem Ernst an ihre Verantwortung für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit erinnern, für die Rettung des Klimas und den Kampf gegen Hunger und Armut. Und für die Pressefreiheit. Trump, Putin, Erdogan – schon diese Drei bieten Anlass genug, auf die Straße zu gehen. Es gibt aber keinen vernünftigen Grund, die G-20-Konferenz an sich abzulehnen. In Hamburg war das jedoch leider die gängige Melodie. Da wurde ebenso flott wie naiv behauptet, Kapitalismus und Globalisierung seien des Teufels, eine Umverteilung des Reichtums sei die Lösung. Die Linkspopulisten verkennen: Als ökonomisches Modell ist der Sozialismus überall gescheitert; wo er als politisches Ein-Parteien-System existiert, landen Kritiker im Gefängnis. Gleichwohl sitzen auch China und Russland mit am G-20-Tisch, weil es nicht nur politisch geboten ist, über die großen Fragen gemeinsam im Gespräch zu bleiben; sondern weil sich auch jene Staaten vom Handel mit dem Rest der Welt wirtschaftliche Vorteile, mithin mehr Wohlstand für ihre Bürger versprechen. Haben die G-20-Gegner eigentlich mal auf die Hamburger Agenda geschaut? Es geht auch um Afrika, um Migration, um Klimaschutz. Mag sein, dass Richtung und Ergebnis der Debatten vielen Menschen nicht passen. Aber G20 deshalb grundsätzlich in Frage stellen? Das Konzert in der Barclaycard-Arena traf den richtigen Ton: Kritisch-konstruktiv die globalen Herausforderungen anzunehmen, neben den Risiken auch die Chancen von Digitalisierung und Globalisierung zu sehen, die Jugend zum Engagement zu motivieren, damit sie die Zukunft in die Hand nimmt – das sollte der Geist sein, mit dem G20 begleitet wird. Die Hamburger dagegen mäkeln über gesperrte Straßen, statt die U-Bahn zu nehmen; jammern kollektiv in die Mikrofone der Reporter, statt sich zu freuen, dass ihre schöne City für ein paar Tage im Fokus der Welt steht. So bleibt neben Flammen und Scherben der Eindruck einer Stadt des kleinen Karos, die sich erneut mit einer Großveranstaltung unwohl fühlt. Jede andere Metropole wäre stolz, Gastgeber der G20 zu sein. Hamburg aber gibt unterm Strich ein beschämendes Bild ab, will offenbar lieber Provinz bleiben. Dazu passt das blamable Aus der Olympia-Bewerbung. Von heute aus betrachtet lässt sich sagen: Wie gut, dass Kiel mit dieser Stadt kein Tandem bilden musste.

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