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Jan v. Schmidt-Phiseldeck zu den Arbeitsmarktdaten

Kommentar Jan v. Schmidt-Phiseldeck zu den Arbeitsmarktdaten

Goldener Oktober, Rekordbeschäftigung, sinkende Arbeitslosenquote: An gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt haben wir uns schon fast gewöhnt. Dabei sind die Zahlen, die monatlich von der Bundesagentur für Arbeit kommen, unterschiedlich zu interpretieren.

Ein Beispiel ist jene Zahl, die Menschen erfasst, die sich in „Maßnahmen zur Aktivierung und beruflicher Eingliederung“ befinden. Sie werden den Erwerbslosen nicht hinzugerechnet. Addiert würde sich so ein anderes Bild ergeben: Statt der gemeldeten knapp 2,4 Millionen Arbeitslosen wären rund 3,4 Millionen Menschen auf Jobsuche.

Ein anderes Beispiel ist der Ausbildungsmarkt in Schleswig-Holstein: 500 Lehrstellen fehlen derzeit laut Agentur rechnerisch, 100 weniger als im vergangenen Jahr. Dennoch ist Grund zur Sorge angebracht: Zum einen hängen viele Bewerber in einer langen Warteschleife, viele befinden sich in Übergangsmaßnahmen – nach Gewerkschaftsangaben mehr als 4000 Menschen insgesamt. Zweites Problem: Die Ausbildungsbereitschaft gerade in kleineren Betrieben sinkt, oft aufgrund schlechter Erfahrung mit unmotivierten Bewerbern. Gleichzeitig steigt aber der Bedarf nach geeigneten Fachkräften – ein Dilemma, dessen Folgen der Konjunktur schon in wenigen Jahren deutliche Bremsspuren bescheren dürfte.

Wenn es nicht gelingt, hier Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen, sind gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt Geschichte.

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Ein Artikel von
Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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