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Meinungen Jörg Kallmeyer zu den Anschlägen in Istanbul
Mehr Meinungen Jörg Kallmeyer zu den Anschlägen in Istanbul
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20:24 12.01.2016
Von Jörg Kallmeyer

Istanbul ist das Tor in einen anderen Kulturkreis, gerade einmal drei Flugstunden von Deutschland entfernt. Getötet wurden die Urlauber in Sichtweite einer der prachtvollsten Moscheen der islamischen Welt.

Beim Terrorakt von Istanbul handelt es sich auch um einen Anschlag auf die Weltoffenheit. Die Opfer sollten Urlauber sein, die sich für andere Menschen interessieren, die fremd und faszinierend zugleich sein können. Jeder Besucher Istanbuls findet sich irgendwann auf dem historischen Platz wieder, der die Blaue Moschee und die Hagia Sophia miteinander verbindet. Seit den Anschlägen von Paris kennt man die Formulierung: Die Bomben der Attentäter treffen das Herz einer Stadt.

Das Ziel des Anschlags von Istanbul ist der Tourismus in einer Metropole, die in jedem Reiseführer als „Boomtown am Bosporus“ gefeiert wird. Sie ist in den vergangenen Monaten schon häufiger von Anschlägen getroffen worden, die von den Behörden heruntergespielt wurden. Nun konnte aber auch eine eilig verhängte Nachrichtensperre nicht verhindern, dass die Terroristen ihr Ziel erreichten: Istanbul hat jetzt einen Platz ganz oben auf der Angst-Skala der internationalen Reiseziele.

Was das bedeutet, haben Länder wie Tunesien und Ägypten schon schmerzlich erfahren. Der Tourismus in der Türkei ist ohnehin in eine Krise geschlittert – seit dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges kommen die Urlauber aus Russland nicht mehr. Das Land erscheint den Menschen in Ost wie West in einer doppelten Bedrohungslage. Der offene Krieg gegen die Kurden hat zu einer Serie von Anschlägen geführt. Zugleich schützt die undurchsichtige Rolle der Türkei im Kampf gegen den Islamischen Staat offenbar keinesfalls davor, selbst zum Ziel von IS-Terroristen zu werden. Nach den bisherigen staatlichen Informationen handelt es sich beim Attentat von Istanbul um ein Werk des IS, der der Türkei immerhin schon öffentlich gedroht hat.

Für die Türkei steht jetzt viel auf dem Spiel: Bislang galt das Land als interessante und vor allem stabile Brücke in die arabische Welt – attraktiv für Urlauber und Investoren gleichermaßen. Jetzt wird die Türkei wegen der geographischen Nähe zu den Krisenherden in Syrien um Irak und wegen der vielen ungelösten innenpolitischen Themen von großen Problemen geradezu überrollt. Die Urlauber zögern, die internationalen Geldgeber wandern ab. Das Land verliert Schritt für den Schritt den inneren Zusammenhalt – und es sieht nicht so aus, als ob Präsident Erdogan eine schlüssige Antwort darauf hat.

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