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Alev Doğan zum Koffer-Chaos

Kommentar Alev Doğan zum Koffer-Chaos

Ein kleiner Selbsttest zur Urlaubszeit: Wer denkt im Flugzeug an die Person, die in den Bauchraum des Fliegers klettert und einen Koffer nach dem anderen herunterhievt? Durchschnittlich 1000 Koffer à 20 Kilo tragen die Mitarbeiter der Bodenverkehrsdienste pro Schicht in die Flugzeuge rein und wieder raus.

Für diese Schwerstarbeit sind nur Männer zugelassen. Starke Männer. Und nicht zuletzt: Männer, die seit zehn Jahren straffrei in Deutschland leben. Ihr durchschnittlicher Brutto-Stundenlohn beträgt gerade mal zwölf Euro – einschließlich aller möglichen Zuschläge für Nachtschichten und Sonntagsdienste. Für so einen Job stehen Bewerber nicht gerade Schlange.

 Wer das weiß, darf sich nicht wundern, dass schon einige wenige Krankmeldungen reichen, um im sensiblen Konstrukt Flughafen einen Ausnahmezustand auszulösen. Und die Airlines sind es übrigens, die entscheiden, mit welcher Dienstleistungsfirma am Boden sie zusammenarbeiten. Die Gewerkschaft Verdi wirft ihnen vor, die Preise immer weiter nach unten zu drücken.

 Das Resultat sind nicht nur unterbezahlte Abfertigungskräfte, sondern auch genervte Passagiere und die bedauernswerten Mitarbeiter am „Lost&Found“-Schalter, die die ganze Wut abbekommen. Die sind wieder bei einer anderen der 40 Dienstleistungsfirmen im Hamburger Flughafen angestellt.

 Eigentlich ist jeder Koffer ein Wunder, der es pünktlich zum Fluggast schafft.

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