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Meinungen Christian Longardt zur Kriminalitätsstudie
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22:14 07.03.2018
Von Christian Longardt
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Kiel

Der Anfang 2016 kassierte Kieler Flüchtlingserlass zum laxen Umgang mit Bagatelldelikten und die Berichte unserer Zeitung über organisierte Einbrecherbanden, die im Herbst 2015 von Asylunterkünften aus operierten, gaben dem damaligen SPD-Innenminister Anlass, ein Gutachten in Auftrag zu geben, um das Thema wissenschaftlich zu beleuchten. Das zog und zog sich, über den Wahltermin hinaus. Anderthalb Jahre später, Stefan Studt ist längst nicht mehr im Amt, legt sein Nachfolger nun die groß ankündigte Studie vor – und man traut seinen Augen nicht. Denn die Kriminalität derjenigen, die während der Flüchtlingskrise zu uns gekommen sind, hat man gar nicht explizit untersucht. Dabei hätte es genau darum gehen müssen.

Stattdessen wurden die „neuen“ Zuwanderer mit allen anderen Ausländern statistisch in einen Topf geworfen, auch mit jenen, die schon seit Jahrzehnten hier leben. Nun wissen wir also, wie oft Dänen und Italiener kriminell werden. Das ist absurd – und gefährlich. Denn wer so vorgeht, gibt nur jenen neue Nahrung, die Politikern – und Medien – ohnehin unterstellen, Dinge unter den Teppich zu kehren. In welchem Ausmaß Flüchtlinge bei uns Straftaten begehen, um welche Delikte es sich genau handelt, ob sie vielleicht auch für bestimmte Taten weniger oft verantwortlich sind als allgemein vermutet: All das hätte diese Studie untersuchen müssen. Sie hat es nicht. Eine vertane Chance.

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