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Jan v. Schmidt-Phiseldeck zu Teilzeitarbeit

Meinung Jan v. Schmidt-Phiseldeck zu Teilzeitarbeit

 Es brummt auf dem Arbeitsmarkt im Norden, allerdings mit hörbar unangenehmen Schwingungen: Während die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen von 2006 bis 2016 gerade einmal um 26000 zunahm, schnellte Teilzeitarbeit im gleichen Zeitraum um 73 Prozent auf 280000 hoch.

Sicherlich: Viele Teilzeitler, oftmals Frauen, wünschen sich diese Beschäftigungsform, Arbeitgeber sprechen dabei gerne von gewollter „Work-Life-Balance“. Von flexiblen, unbürokratischen Modellen für beide Seiten, die auch der eigenen Wettbewerbsfähigkeit dienen, und von „Klebeeffekten“ beim Umstieg auf den Vollzeitjob.

Zur Wahrheit gehört aber auch: 28 Prozent der Menschen, die in Teilzeit arbeiten, erhalten einen Stundenlohn unter 9,75 Euro. Eine Summe, die noch unter der Niedriglohngrenze liegt und Teilzeitler oftmals zwingt, sich einen Zweit- oder Drittjob zu suchen – gerade dann, wenn nur so das Familieneinkommen gesichert werden kann.

Diese Entwicklung müsste Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Bernd Buchholz eigentlich mit Sorge erfüllen. Stattdessen verweist der Ex-Vorstandsboss auf Angebot und Nachfrage, auf unterschiedliche Grundqualifikationen, auf Investitionen in Bildung. Atypische Beschäftigung dürfe nicht verteufelt werden, sagt der Minister. Das ist sicherlich richtig. Und der steigende Druck der Unternehmen, sich Fachkräfte zu sichern, wird das Thema auch entschärfen. Das Problem aber zu banalisieren, das hilft wirklich niemanden.

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Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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