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Jan von Schmidt-Phiseldeck zur Grünen Woche

Kommentar Jan von Schmidt-Phiseldeck zur Grünen Woche

Landwirt in Schleswig-Holstein zu sein, braucht in dieser Zeit viel Enthusiasmus: schlechte Preise für Milch und Getreide, vermatschte Ackerflächen, eine immer schärfere Diskussion über Massentierhaltung, Glyphosat.

Und jetzt droht auch noch ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Vielleicht kommt deswegen die Grüne Woche gerade recht. Als kleine Auszeit von den alltäglichen Sorgen, als Ort, um mit vollen Zügen die Leistungsfähigkeit der eigenen Branche zu bestaunen, die seit vielen Jahren konstant von prallen EU-Fördertöpfen profitiert. Etwa 300 Euro pro Hektar Fläche im Jahr fast ohne Gegenleistung – wer das Prinzip „Wachsen oder Weichen“ beherzigt, profitiert besonders – trotz Ernteausfalls, trotz schwankender Fleischpreise.

 In breiten Teilen der Gesellschaft stößt ein „Weiter so“ – trotz aller Widersprüchlichkeit beim Einkaufsverhalten – auf Ablehnung. Vielen Menschen macht es Angst, wenn Trinkwasser zunehmend erhöhte Nitratwerte aufweist, wenn Vogelarten aus Gärten verschwinden, weil es kaum noch Insekten gibt. Die Grüne Woche ist mehr als eine Essmeile, sie ist das richtige Forum, um über einen neuen Weg der Landwirtschaft zu streiten. Dabei wäre es fatal, Landwirte zu stigmatisieren. Es darf ausschließlich um die Sache, um eine Neuausrichtung der Landwirtschaft gehen. Es muss darum gehen, wie nachhaltiges Wirtschaften auf dem Acker und im Stall gelingen kann, ohne bäuerliche Existenzen zu vernichten. Es geht jetzt um die Agrarwende.

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Jan von Schmidt-Phiseldeck
Wirtschaftsredaktion

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Grüne Woche in Berlin
Foto: Grüne Woche Berlin

Abseits der billigen Massenware: Zur Grünen Woche kocht der Streit über die Ausrichtung der Landwirtschaft hoch. Schleswig-Holstein setzt dabei voll auf auf Regionalität, Nachhaltigkeit und Direktvermarktung. Am Mittwoch beginnt die Ernährungsmesse in Berlin.

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