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Ulrich Metschies zur Aufzeichnung von Telefongesprächen

Kommentar Ulrich Metschies zur Aufzeichnung von Telefongesprächen

„Um meine Ehe steht es nicht so gut. Und auch der Job wackelt. Darum würde ich gerne meine Aktiengewinne realisieren und in etwas Sicheres investieren.“ Derart Privates sollte man seinem Wertpapierberater ab sofort am Telefon nicht mehr anvertrauen.

Klar, die seit Jahresanfang geltende Aufzeichnungspflicht bei telefonischer Wertpapierberatung ist gut gemeint. Sie kann es Kunden erleichtern, ihrem Institut mögliche Fehlberatung nachzuweisen. Mit falschen Versprechungen hatten Banken Anleger massenhaft in den Abgrund der Finanzkrise getrieben. „MiFID II“, ein komplexes Regelwerk der EU, soll verhindern, dass sich so ein Elend wiederholt.

 Doch glücklich ist damit niemand: nicht die Banken, die ohnehin schon unter der Regulierungswut der EU stöhnen. Nicht die Kunden, von denen viele die Massen an Info-Post von ihrer Bank ungelesen abheften. Und auch nicht Daten- und Verbraucherschützer. Denn es ist nicht trivial, die riesigen Mengen an Tonaufnahmen vor Missbrauch zu schützen. Nicht ohne Grund ist die Speicherung personenbezogener Daten an anderer Stelle strikt limitiert – selbst dort, wo es um die Bekämpfung von Verbrechen geht.

 Nun kann man sagen: Gemessen an dem, was Sprachassistenten wie Siri & Co. über ihre Nutzer verraten, ist das Risiko der Aufzeichnungspflicht minimal. Fragwürdig ist sie dennoch. Denn die Ansage „Aufnahme läuft!“ schafft im Zweifel nicht mehr Vertrauen, sondern beschädigt es eher.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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