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Ulrich Metschies zur Diesel-Krise

Kommentar Ulrich Metschies zur Diesel-Krise

Manchmal ungerecht, immer hart und unerbittlich: So ist er, der Markt. Wenn die Nachfrage sinkt, dann geht der Preis zurück. Warum die Nachfrage sinkt? Das interessiert den Markt nicht die Bohne.

Dabei sind die Gründe extrem wichtig, um die Effizienz des Marktes als Instrument zur Überwindung von Knappheit beurteilen zu können. Dass Äpfel nach einer schlechten Ernte teurer werden, ist logisch. Dass DieselAutos an Wert verlieren, weil Besitzer oder Autokäufer fürchten, dass sie an Wert verlieren – das hat mit rationalem Markt nichts mehr zu tun. Das erinnert eher an die wertvernichtenden und von Angst getriebenen Verkaufswellen an den Finanzmärkten.

Ganz klar: Die Schuld an der Diesel-Krise tragen zuallererst die Hersteller, die ihre Fahrzeuge mit betrügerischen Mitteln sauberer dargestellt haben als sie sind. Doch dass daraus nun auch eine Krise des Handels zu werden droht, ist vor allem einer Bundesregierung vorzuwerfen, die sich nicht traut, durch klare Ansagen an VW und Co. den Schaden zu begrenzen. Mit jedem Tag, an dem weiter über Fahrverbote spekuliert wird, wird die Verunsicherung wachsen, werden Diesel an Wert verlieren, werden sich die Höfe der Händler füllen. Es gibt technische Lösungen jenseits von Software-Updates, um Millionen Selbstzünder sauberer zu machen. Doch solange die Hersteller sich aus der Verantwortung stehlen dürfen, wird es kein Ende der Diesel-Krise geben.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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