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Ulrich Metschies zur Kita-Betreuung

Kommentar Ulrich Metschies zur Kita-Betreuung

Traurig, aber wahr: Manchmal bedarf es eben mal wieder einer Studie, um unserer Gesellschaft zu zeigen, wo an ihrer Basis etwas komplett schief läuft. Und genau das ist der Fall im Elementar-Bereich unseres Erziehungssystems.

Die Gruppen in Krippen und Kitas sind oftmals zu groß, und ein großer Teil des Personals ist nicht wirklich solide qualifiziert, um die wachsenden Anforderungen an ihre so wichtige Arbeit zu erfüllen. In Schleswig-Holsteins Kindergärten fehlen rund 1900 Vollzeitstellen für Erzieherinnen und Erzieher, damit reicht es für den Norden beim bundesweiten Vergleich der Betreuungsschlüssel nur für den drittletzten Platz, kritisiert die Bertelsmann-Stiftung.

 Dies ist ein bitteres Ergebnis. Gemessen daran fällt die Reaktion unseres Sozialministers seltsam hölzern aus. Natürlich hat Heiner Garg recht, wenn er darauf hinweist, dass Betreuungsqualität und Personalzahlen nicht gleichzusetzen sind. Natürlich hängt Qualität maßgeblich von Qualifikation und Motivation des Personals ab. Dass es genau daran hapert, und zwar keineswegs nur in Schleswig-Holstein, hat einen schlichten Grund: Erzieherinnen und Erzieher erhalten für ihre stressige und verantwortungsvolle Arbeit hierzulande nicht annähernd die materielle Wertschätzung, die sie verdienen. Somit ist es wirklich kein Wunder, dass Elementar-Einrichtungen nicht das Personal finden, dass sie so händeringend suchen.

 Natürlich ist es wünschenswert, Eltern bei den Kita-Beiträgen zu entlasten. Doch wichtiger ist es zunächst, eine Betreuungsqualität finanziell abzusichern, die einem der reichsten Länder der Welt auch würdig ist.

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Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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Kita-Studie
Foto: Während etwa in Flensburg eine Fachkraft nur 6,1 Kinder im Blick haben muss, schneiden Kindergärten in Kiel mit einer Betreuungsrelation von 1 zu 9,8 schlechter ab.

Die Betreuungssituation in den Krippen Schleswig-Holsteins hat sich einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge minimal verbessert. Während im März 2012 ein vollzeittätiger Betreuer noch für vier Mädchen und Jungen verantwortlich war, lag der Wert im März 2016 bei rein rechnerisch 3,8 Kindern.

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