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Ulrich Metschies zur Ostsee

Kommentar Ulrich Metschies zur Ostsee

Uns Menschen fällt es schwer, das zu schätzen, was selbstverständlich erscheint. Die Ostsee zählt zu diesen scheinbaren Selbstverständlichkeiten.

Es ist eben einfach so da, das Meer vor unserer Haustür – ein winziger See, verglichen mit den großen Ozeanen, und gleichzeitig von menschlicher Nutzung weitaus stärker beansprucht als die meisten Meere dieser Erde. Zwischen 50 und 85 Millionen Menschen – je nachdem, wie weit man die Region fasst – leben im Ostseeraum. Sie alle nutzen dieses Meer: als Erholungsraum und Nahrungsquelle, als Verkehrsweg, Logistik-Drehscheibe, Energielieferant und – leider – noch immer auch als Klärwerk und Müllkippe.

 Die Folgen dieser chronischen Überbeanspruchung zeigen sich zumeist im Verborgenen. Noch. Immer häufiger wird der Dauerstress des Ökosystems für uns Menschen auch sichtbar. Doch tote Fische am Strand und Algenteppiche in den Küstengewässern sind nur die Symptome einer ernsten Erkrankung, die bis heute viel zu halbherzig behandelt wird. Neue Klärstufen und strengere Umweltnormen, denen viel zu oft die Verbindlichkeit fehlt, haben dem Patienten kaum helfen können. Wie auch, wenn die Phosphateinleitung aus der Landwirtschaft anhält und gleichzeitig die Fracht an Mikroplastik, Chemiegiften und Arzneirückständen immer deutlichere Spuren hinterlässt. Kein Wissenschaftler weiß, wie lange wir noch Zeit zum Gegensteuern haben. Doch es reicht der gesunde Menschenverstand, um zu ahnen: Viel ist es nicht.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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