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Meinungen Anne Gramm zur Mondfinsternis
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19:09 29.07.2018
Von Anne Gramm
Anne Gramm Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Stellen wir uns vor, es gäbe ihn wirklich, den Mann im Mond, wie ihn die Dichter für sich und für uns erfunden haben. Was er wohl so bei sich gedacht hat, als er am späten Freitagabend in unsere Richtung schaute und da die großen und kleinen Menschenhaufen sah, die sich überall sammelten und immer wieder auf ihre Uhren guckten? Vielleicht das: So sind sie, die Leute der Moderne, immer ungeduldig, immer mit der Zeit im Nacken, immer in der Erwartung, dass alles wie am Schnürchen läuft. Und wer könnte das besser beurteilen als der Mann im Mond, der uns Menschen ja beobachtet, seit wir da sind?

Und dann hat der Mann im Mond dem Mond vielleicht sogar empfohlen, ein bisschen langsamer als ursprünglich geplant aufzugehen und sich mancherorts auch noch ein paar Wolken zu holen, die ihn ummanteln – um den Menschen zu zeigen, dass es nicht immer und nur nach ihrem Willen geht.

Aber als dann der Mond rostrot am Himmel leuchtete, und daneben auch noch der hell leuchtende Mars, und die Menschen wirklich beeindruckt waren, da hat sich der Mann im Mond doch gefreut. Darüber, dass die Leute, die ja inzwischen eher gelangweilt auf alles Neue reagieren, doch noch staunen können. Darüber, dass so ein Naturschauspiel derart faszinieren kann. Und dass sie wieder einmal zusammenstanden und miteinander geredet haben.

Auch der Mann im Mond wird diesen Freitag als wirklich außergewöhnlichen Abend in Erinnerung behalten.

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