2 ° / -2 ° Schneeschauer

Navigation:
Bodo Stade zur Messerattacke in Hamburg

Kommentar Bodo Stade zur Messerattacke in Hamburg

Was ging vor im Kopf dieses 26-Jährigen, der am Freitag mit einem Küchenmesser auf Menschen einstach? Auch drei Tage danach ist unklar, ob es sich um den Terroranschlag eines Islamisten, die Wahnsinnsaktion eines psychisch Kranken oder eine gefährliche Mischung aus beidem handelte. Das macht diese Tat im wahrsten Wortsinn so unfassbar, lässt uns ratlos zurück.

Die schrecklichen Bilder aus Barmbek verursachen aber auch deshalb ein so beklemmendes Gefühl, weil sie uns eine bittere Wahrheit vor Augen führen. Anschläge können uns nicht nur in Paris, Brüssel oder London treffen, sondern auch im Supermarkt um die Ecke, in unserem privaten Umfeld, wo wir uns kaum schützen können und auch gar nicht immer schützen wollen.

Völlig machtlos sind wir aber nicht. Denn zwei Lehren können aus Hamburg gezogen werden – und zwar unabhängig davon, welche Triebfeder die Irrsinnstat tatsächlich auslöste. Die erste Lehre hat viel mit Bürokratie zu tun. Denn offensichtlich scheiterte die – freiwillige – Ausreise des 26-Jährigen allein an den fehlenden Ersatzdokumenten. Schärfere Gesetze helfen da wenig, mehr Druck auf die Ankunftsländer dagegen schon. Die zweite Lehre hat viel mit unserer Gesellschaft zu tun. Denn so abenteuerlich die Überwältigung des Täters auch war. Das beherzte Eingreifen von Passanten hat womöglich Schlimmeres verhindert und bewiesen: Unsere Gesellschaft steht zusammen, wenn es darauf ankommt. Das ist das Tröstliche.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bodo Stade
Stellvertretender Chefredakteur

Mehr aus Meinungen 2/3