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Christian Hiersemenzel zum Jamaika-Bündnis

Kommentar Christian Hiersemenzel zum Jamaika-Bündnis

Da hat die FDP noch einmal die Kurve gekriegt. Im Jamaika-Machtpoker hatten Kubicki & Co in den vergangenen Tagen so kräftig Gas gegeben, dass sie um ein Haar aus den Verhandlungen herausgeflogen wären. Bloß, dass ihnen kaum jemand eine Träne nachgeweint hätte – nicht bei der CDU, und schon gar nicht bei den Grünen.

Tagelang hatten sich die beiden Alphamänner Wolfgang Kubicki und Bernd Buchholz in Aufgeregtheiten ergangen und versucht, den Schwarzen Peter im Falle eines Verhandlungsabbruchs der Öko-Partei zuzuschieben: Schaut her, die Grünen sind zu unprofessionell, verlässlich Verhandlungen zu führen. Diese Strategie ist nicht aufgegangen. Die Grünen mögen zwar für das Selbstverständnis der anderen ungewöhnlich diskussionsfreudig sein. Im Gegensatz zur FDP sitzen sie aber seit fünf Jahren in Regierungsverantwortung. Chefstrategen wie Monika Heinold und Robert Habeck wissen genau, dass sie noch ihre kritische Basis überzeugen müssen. Das funktioniert nur mit Öko-Inhalten – auch um den Preis, verhandelte Pakete noch einmal aufzuschnüren.

CDU-Chef Daniel Günther dokumentierte in den vergangenen Tagen sanft, aber führungsstark mit kleinen Gesten, dass ihn die Bulldozer nerven und er im Zweifel auch ohne die FDP eine Regierung bilden würde – gegebenenfalls mit Grünen und SSW. So bitter es für die Liberalen klingt: Am Ende können sie vom realpolitischen Kurs der Grünen eine Menge lernen.

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Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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