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Christian Hiersemenzel zur 28-Stunden-Woche

Kommentar Christian Hiersemenzel zur 28-Stunden-Woche

Prioritäten ändern sich. Es gibt Zeiten, in denen sich der Mensch ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl und eine Waschmaschine kaufen will. Dafür braucht er Geld, und das fällt in der Regel nicht vom Himmel, sondern will erarbeitet sein.

Und dann gibt es Zeiten, in denen sich der Mensch um Beziehungen kümmern möchte: um seine Kinder, seine Partnerschaft, seine pflegebedürftigen Angehörigen – um sein Leben, und das duldet manchmal keinen Aufschub. Längst wissen wir um solche Verwandlungen, und doch hat sich die Arbeitswelt noch nicht hinreichend darauf eingestellt. Deshalb lässt der Tarifabschluss der Südwest-Metaller so aufhorchen.

Die Küsten-Kollegen machen sich bei den morgigen Verhandlungen Hoffnung darauf, dass das flexible Arbeitszeitmodell auch im Norden gängige Praxis wird – erst bei den Metallern, dann in anderen Branchen. Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel begünstigen diese Entwicklung. Zum Politikum wird das Ganze deshalb, weil die Gesellschaft auf ihrer Suche nach Work-Life-Balance praktikable Vorbilder benötigt, damit die vielbeschworene Vereinbarkeit von Familie und Beruf keine Utopie bleibt.

Die Jamaika-Regierungspartner gründen in diesen Monaten eine Zukunftswerkstatt. Es geht dort um soziale Sicherungssysteme, aber auch um eine sich verändernde Arbeitswelt unter digitalen Vorzeichen. Draußen im realen Leben gibt es jetzt einen Vorgeschmack, wie das funktionieren könnte.

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Ein Artikel von
Christian Hiersemenzel
Landeshaus-Korrespondent

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Metaller-Abschluss
Foto: Die Metaller haben ihre Forderung nach einer 28-Stunden-Woche durchgesetzt.

Die Metallindustrie im Pilotbezirk Südwest hat sich auf 4,3 Prozent mehr Lohn geeinigt und das Recht der Arbeitnehmer, die Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf 28 Wochenstunden zu reduzieren - bei entsprechendem Lohnausgleich. Der Tarifvertrag könnte Vorbild für andere Branchen sein.

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